Was ein Kind in seinen ersten Lebensjahren erlebt, wirkt sich langfristig auf die Gesundheit, die Sprache und die Kommunikation, die kognitive und die soziale Entwicklung aus.

Frühförderung ist ein multidisziplinäres Maßnahmenpaket zur Förderung der kindlichen Gesundheit und des Wohlbefindens, zur Stärkung vorhandener Fähigkeiten, Minimierung von Entwicklungsverzögerungen, Behandlung vorhandener oder im Entstehen begriffener Behinderungen, Verhinderung funktioneller Verschlechterung und zur Förderung adaptiver Elternkompetenzen und der Funktion der Familie insgesamt. Um diese Ziele zu erreichen, sollten therapeutische Maßnahmen für ein Kind individuell festgelegt und im Kontext der gemeinsam geplanten Unterstützung durch die Familie durchgeführt werden (McCollum, 2001).

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Sara 15 months walking in assistive device

Warum ist es wichtig, so früh wie möglich anzufangen?

Die Entwicklung des Gehirns wird schon seit vielen Generationen erforscht. Neue Technologien ermöglichen uns immer mehr Einblicke und Erkenntnisse darüber, wie das Gehirn sich entwickelt und was diese Entwicklung anregt. Es ist zum Beispiel bekannt, dass die ersten zwei Lebensjahre eine kritische Phase des Lernens darstellen. In dieser Zeit kommt es zu einer raschen Entwicklung von Synapsen im Gehirn. Es ist die Zeit, in der das Gehirn sich am besten anpassen und lernen kann (Johnston, 2009).

Wenn bei Ihrem Kind bereits eine Behinderung festgestellt wurde oder die Gefahr einer Behinderung besteht, wird Ihr Kind wahrscheinlich bereits von Ärzten, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten oder Ernährungsberatern betreut. Diese medizinischen Fachkräfte können Ihnen helfen, die richtigen Maßnahmen zur Förderung Ihres Kindes festzulegen. Sie können Sie und Ihre Familie auch dabei unterstützen, die besonderen Bedürfnisse Ihres Kindes zu erfüllen.

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Welche Förderungsmöglichkeiten gibt es für Kinder?

Es gibt verschiedene Förderansätze, in erster Linie ist jedoch wichtig, die Therapie auf das Kind und seine Problematik abzustimmen. Neuere Forschungsergebnisse geben einige Anhaltspunkte für eine Förderung in den frühen Entwicklungsphasen des Lebens.

Stimulation von Entwicklung in einem ausgestalteten Umfeld

Das Umfeld spielt dabei eine entscheidende Rolle, und Ihr Therapeut wird sie bei der Ausgestaltung der verschiedenen Bereiche, in denen Ihr Kind seinen Tag verbringt, entsprechend unterstützen. (Mijna Hadders-Algra, 2016; Morgan, Novak, Dale, & Badawi, 2015). Zum Beispiel ist es wichtig, wie Sie das Kind beim Wickeln hinlegen wollen und wo Spiegel, Spielzeuge und andere Objekte platziert sein sollen, die Ihr Kind anschauen oder anfassen kann. Wenn Sie sich dieser Aspekte bewusst sind, können Sie in allen Situationen des Alltags durch gezielte Maßnahmen bestimmte Entwicklungen fördern. Auf diese Weise kann das Kind den ganzen Tag über schon vieles trainieren, ohne es überhaupt zu bemerken.

Auch das Prinzip von Versuch und Irrtum stimuliert Entwicklung. Ein Kind, das an ein Spielzeug nicht herankommt, wird etwas denken wie: „Als ich es so gemacht habe, bin ich nicht drangekommen“. Wenn es beim nächsten Mal Erfolg hat, wird es vielleicht feststellen: „Als ich meine Hand so gedreht habe, habe ich es geschafft!“ Kinder üben fortwährend, um ihre Fähigkeiten zu verbessern und eine Bewegung immer weiter zu perfektionieren. Es ist sehr wichtig, dass Sie das Kind ermutigen, diesen Ansatz von Versuch und Irrtum für sich auszuprobieren.

Eltern-Kind-Interaktion

Sie als Elternteil spielen eine sehr wichtige Rolle für die frühkindliche Förderung. Sie sind immer mit Ihrem Kind zusammen und kennen es von allen Menschen am besten. Fachkräfte stehen Ihnen zur Seite, um Sie in dieser Situation anzuleiten und zu beraten, sodass Sie sicher und zuversichtlich auftreten können (Hadders‐Algra, 2011).

Frühzeitiger Einsatz von Hilfsmitteln und elektrischer Mobilität

Hilfsmittel können Ihnen dabei helfen, Ihr Kind in schwierigen Positionen zu unterstützen. Hierbei kann es sich zum Beispiel um spezielle Sitzlösungen handeln, die das aufrechte Sitzen unterstützen und so die Nahrungsaufnahme, die Orientierung oder die Nutzung von Armen und Händen erleichtern. Elektrische Mobilität oder Gehhilfen ermöglichen ein Erkunden der Umgebung (Hadders-Algra, 2014).

Das Angebot an Hilfsmitteln ist groß, und die meisten gibt es schon für die Kleinsten. Ihr Therapeut hilft Ihnen dabei, die richtige Ausstattung auszuwählen, um die soziale und kognitive Entwicklung und die Motorik Ihres Kindes optimal zu fördern.

Activities for children who use walkers

 

Quellen

Hadders-Algra, M. (2014). Early diagnosis and early intervention in cerebral palsy. Frontiers in neurology, 5, 185. doi:10.3389/fneur.2014.00185

Hadders‐Algra, M. (2011). Challenges and limitations in early intervention. Developmental Medicine & Child Neurology, 53(s4), 52-55. doi:10.1111/j.1469-8749.2011.04064.x

Johnston, M. V. (2009). Plasticity in the developing brain: Implications for rehabilitation. Developmental Disabilities Research Reviews, 15(2), 94-101. doi:10.1002/ddrr.64

McCollum, J. A. (2001). Book Review: Handbook of Early Childhood Intervention (2nd ed.) J. P Shonkoff & S. J. Meisels (Eds.), Cambridge, MA: Cambridge University Press, 2000, 734 pp., paperback, $34.95 (Book review) (Vol. 21, pp. 176-178).

Mijna Hadders-Algra, A. G. B., Tjitske Hielkema, Elisa G. Hamer. (2016). Effect of early intervention in infants at very high risk og cerebral palsy: a systematic review. Developmental Medicine & Child Neurology, 59(3), 246-258.

Morgan, C., Novak, I., Dale, R. C., & Badawi, N. (2015). Optimising motor learning in infants at high risk of cerebral palsy: a pilot study. BMC Pediatrics, 15, 30. doi:10.1186/s12887-015-0347-2

Rikke Damkjær Moen - Physiotherapeutin – Medical Manager

Rikke Damkjær Moen - Physiotherapeutin – Medical Manager

Rikke Damkjær Moen bereichert das Made for Movement Team mit vielen Jahren Erfahrung als klinische Physiotherapeutin. Es ist ihre Mission, dafür zu sorgen, dass auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität die Möglichkeit erhalten, Freude und Gesundheit durch körperliche Aktivität zu erfahren. Als Medical Manager gibt Rikke Damkjær Moen ihr Wissen über die Lösungen von Made vor Movement gern weiter, damit Menschen mit besonderen Bedürfnissen, ihre Familien und Behandler die Möglichkeiten kennenlernen.