Drei von vier Menschen mit zerebraler Kinderlähmung (CP) leiden unter Schmerzen. Es handelt sich um eine komplexe sekundäre Erkrankung, die die funktionellen Fähigkeiten und die Lebensqualität beeinträchtigt. Schmerzen sind oft schwer zu beurteilen, vor allem bei nicht sprachfähigen Menschen mit schweren Behinderungen. Dennoch sollten sie lebenslang sorgfältig behandelt werden. 

  1. Was verursacht Schmerzen bei CP? 
  2. Welche Folgen haben diese Schmerzen? 
  3. Treten Schmerzen unterschiedlich in Abhängigkeit von Motorik, Geschlecht und Alter auf? 
  4. Wie kann man Schmerzen bei CP behandeln?  

Was verursacht Schmerzen bei CP?   

Schmerzen bei CP stehen oft im Zusammenhang mit sekundären Erkrankungen wie Kontrakturen, Spastik, Hüftsubluxation, Störung der Magen-Darm-Funktion, abnormen Körperhaltungen oder Skoliose. Auch längeres Verbleiben in der gleichen Position, z. B. in einem Rollstuhl, kann Schmerzen verursachen. 

Spastik ist eine der häufigsten Ursachen für Schmerzen. Spastische Muskeln behindern die Bewegung des Körpers und der Gliedmaßen. Im Laufe der Zeit können sie in Kombination mit eingeschränkter Motorik und Inaktivität zu Kontrakturen, Deformierungen und Fehlstellungen führen. Eine Kombination all dieser Faktoren führt langfristig zu Schmerzen. Eine kürzlich durchgeführte Studie aus Schweden ergab, dass Kinder mit einer asymmetrischen Körperhaltung doppelt so häufig Schmerzen haben, unabhängig von Alter und motorischen Fähigkeiten. Die häufigsten und stärksten Schmerzen werden sowohl von Erwachsenen als auch Kindern im Bereich der unteren Extremitäten, insbesondere der Hüfte, der Oberschenkel und des Unterleibs angegeben. 

Welche Folgen haben diese Schmerzen?   

Wenn Ihr Kind Schmerzen hat, kann sich dies auf sein Verhalten und seine Fähigkeit auswirken aktiv zu sein und am täglichen Leben teilzunehmen, z. B. in der Schule, bei sozialen Unternehmungen usw. Auch der Schlaf kann durch Schmerzen beeinträchtigt werden.  

In einer Untersuchung von Kindern mit CP in der Altersgruppe von 4 bis 18 Jahren gaben sechs von zehn Kindern mit Schmerzen an, dass sie ihre täglichen Aktivitäten beeinträchtigen und ein Drittel berichtete, dass Schmerzen ihren Schlaf stören.  

Insgesamt können Schmerzen die Lebensqualität nicht nur des Kindes, sondern auch der Familie beeinträchtigen, weshalb es wichtig ist, Schmerzen frühzeitig zu erkennen und lebenslang zu behandeln. 

Treten Schmerzen unterschiedlich in Abhängigkeit von Motorik, Geschlecht und Alter auf?  

Schmerzen treten in allen grobmotorischen Funktionsstufen auf, die mit der Grobmotorischen Funktionsklassifikationsskala (GMFCS) klassifiziert werden, aber intensive Schmerzen treten häufiger in den höheren Stufen der GMFCS (IV und V) auf. Außerdem scheinen Mädchen häufiger über Schmerzen zu berichten als Jungen und die Schmerzintensität ist offenbar bei Mädchen stärker ausgeprägt.

Mit dem Eintritt ins Erwachsenenalter nehmen die intensiven Schmerzen zu. Einige Studien deuten darauf hin, dass der Grund für die Zunahme der Schmerzen eine Kombination aus Überanstrengung und Inaktivität sein könnte.  

Wie kann man Schmerzen bei CP behandeln?   

Um Schmerzen zu behandeln, müssen wir sie zunächst einschätzen. Wie häufig und wie stark sind die Schmerzen und wo sind sie lokalisiert? 

Viele Menschen mit CP sind in der Lage ihre Schmerzen selbst zu beschreiben und einzuschätzen, aber bei nicht sprachfähigen Menschen kann dies schwieriger sein. Sie müssen sich bei der Bewertung von Schmerzen auf ihre Eltern verlassen. Studien haben gezeigt, dass Eltern gute Vertrauenspersonen bei der Erkennung von Schmerzen bei ihren Kindern sind. In der Regel werden Gesichtsschmerzskalen in Kombination mit der Bestimmung von Ort und Ausmaß des Schmerzes am Körper verwendet. Sie müssen auch beschreiben, inwieweit der Schmerz die normale Aktivität und den Schlaf beeinträchtigt. In den letzten Jahren hat sich dabei die Unterstützte Kommunikation (UK) für nicht sprachfähige Menschen als sehr hilfreich erwiesen, damit die Betroffenen ihre Schmerzen selbst ausdrücken können. 

Es gibt verschiedene Arten von Medikamenten, die Schmerzen lindern können. Doch leider ist das Schmerzmanagement bei CP immer noch ein Bereich, über den wir nicht genug wissen. Dies ist eine Herausforderung für die Person, die Schmerzen hat, und für Sie als Eltern, die verzweifelt sind, wenn sie ihr Kind leiden sehen. 

Die häufigsten verwendeten Medikamente sind krampflösende Mittel wie Botulinumtoxin und Baclofen. Die Verringerung der Spastik führt häufig zu einer Verringerung der Schmerzen am Bewegungsapparat. In Situationen, in denen Deformationen wie Skoliose oder Hüftluxation die Schmerzen verursachen, kann eine Operation erforderlich sein. 

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Schmerzbehandlung ist weit mehr als nur Medikation. Die Therapeuten werden sich von frühester Kindheit an auf die Maximierung der Motorik und Mobilität konzentrieren und Sie als Eltern mit einem 24-Stunden-Programm zur Haltungsschulung unterstützen. So wird verhindert, dass sich Kontrakturen, Asymmetrien und Deformierungen beschleunigen, die im Laufe der Zeit bekanntermaßen Risikofaktoren für Schmerzen sind.   

Mehr über das 24-Stunden-Lagerungsmanagement können Sie hier lesen.

Die kontinuierliche Bewertung und Behandlung von Schmerzen bei Menschen mit CP ist notwendig, um allen Veränderungen Rechnung zu tragen, die mit dem Wachstum des Kindes und den Veränderungen des Körpers und der Bedürfnisse einhergehen. 

24-Stunden-Lagerungsmangement

Quellen:

  • Casey J, Rosenblad A, Rodby-Bousquet E. Postural asymmetries, pain, and ability to change position of children with cerebral palsy in sitting and supine: a cross-sectional study. Disabil Rehabil. 2020:1-9.  
  • McDowell BC, Duffy C, Lundy C. Pain report and musculoskeletal impairment in young people with severe forms of cerebral palsy: A population-based series. Research in Developmental Disabilities. 
  • Ostojic K, Paget SP, Morrow AM. Management of pain in children and adolescents with cerebral palsy: a systematic review. Developmental Medicine & Child Neurology. 2019;61(3):315-21. 
  • Rodby-Bousquet E, Alriksson-Schmidt A, Jarl J. Prevalence of pain and interference with daily activities and sleep in adults with cerebral palsy. Developmental Medicine & Child Neurology. 2021;63(1):60-7. 
  • Mckinnon CT, Meehan EM, Harvey AR, Antolovich GC, Morgan PE. Prevalence and characteristics of pain in children and young adults with cerebral palsy: a systematic review. Developmental Medicine & Child Neurology. 2019;61(3):305-14. 
  • Hägglund G, Burman-Rimstedt A, Czuba T, Alriksson-Schmidt AI. Self-versus Proxy-Reported Pain in Children with Cerebral Palsy: A Population-Based Registry Study of 3783 Children. Journal of Primary Care & Community Health. 2020;11:2150132720911523. 
Rikke Damkjær Moen - Physiotherapeutin – Medical Manager

Rikke Damkjær Moen - Physiotherapeutin – Medical Manager

Rikke Damkjær Moen bereichert das Made for Movement Team mit vielen Jahren Erfahrung als klinische Physiotherapeutin. Es ist ihre Mission, dafür zu sorgen, dass auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität die Möglichkeit erhalten, Freude und Gesundheit durch körperliche Aktivität zu erfahren. Als Medical Manager gibt Rikke Damkjær Moen ihr Wissen über die Lösungen von Made vor Movement gern weiter, damit Menschen mit besonderen Bedürfnissen, ihre Familien und Behandler die Möglichkeiten kennenlernen.