Jedes Jahr erleiden weltweit bis zu 500.000 Menschen eine Rückenmarksverletzung. Das Rückenmark ist der wichtigste Teil des zentralen Nervensystems und überträgt Nervenimpulse zwischen dem Gehirn und dem übrigen Körper. Wird das Rückenmark verletzt, kann dies irreversible Beeinträchtigungen der Körperfunktionen verursachen.

  1. Was ist eine Rückenmarksverletzung?
  2. Was passiert, wenn das Rückenmark beschädigt wird?
  3. Können Schäden am Rückenmark behoben werden?
  4. Welche Verletzung des Rückenmarks kommt am häufigsten vor?
  5. Was ist die häufigste Ursache für Rückenmarksverletzungen?
  6. Gibt es für Rückenmarksverletzungen eine Therapie?
  7. Kann man sich von einer Rückenmarksverletzung vollständig erholen?

Was ist eine Rückenmarksverletzung?

Bei einer Rückenmarksverletzung kommt es zu einer Schädigung des Rückenmarks oder der Nerven am Ende des Wirbelkanals durch ein traumatisches Ereignis, wie einen Sturz oder einen Autounfall, oder durch Blutungen, Krebs- oder andere Erkrankungen. Das Rückenmark wird von den Wirbeln geschützt. Häufig ist das Rückenmark nach einem Trauma noch intakt, aber die Schädigung durch Kompression oder Blutergüsse führt zum Funktionsverlust.

Was passiert, wenn das Rückenmark beschädigt wird?

Welche Folgen eine Rückenmarksverletzung hat, hängt von Art und Ausmaß der Verletzung ab. Man spricht von einer kompletten oder einer inkompletten Rückenmarksverletzung.

  • Komplett bedeutet den vollständigen Verlust aller motorischen und sensorischen Funktionen unterhalb der Verletzung.
  • Inkomplett bedeutet, dass ein gewisses Maß an Funktionalität unterhalb der primären Verletzungsebene erhalten bleibt. Man kann dann zum Beispiel manche Gliedmaßen noch teilweise bewegen und bestimmte Körperteile noch spüren.

Das Querschnittsschema der Wirbelsäule

Das Rückenmark wird von 29 Wirbeln geschützt und ist in vier Abschnitte unterteilt:

    1. Zervikale Wirbel/ Halswirbelsäule (C1 - C7)
    2. Thorakale Wirbel/ Brustwirbelsäule (Th1 - Th12)
    3. Lumbale Wirbel/ Lendenwirbelsäule (L1 - L5)
    4. Sakralwirbel/Kreuzbein (S1 - S5)

Jede Rückenmarksverletzung oberhalb von C7 betrifft alle vier Gliedmaßen und den Rumpf. Sie wird als Tetraplegie bezeichnet. Bei einer Verletzung zwischen C5 und Th1 verbleibt möglicherweise eine gewisse Kontrolle über Schultern, Ober- und Unterarme, aber nur eine eingeschränkte Kontrolle über Hände und Finger. Eine Verletzung unterhalb von Th2 wird als Querschnittlähmung bezeichnet. Bei einer Verletzung zwischen Th2 und Th6 ist der Gebrauch von Armen und Händen noch möglich, aber die fehlende Kontrolle der Bauchmuskulatur beeinträchtigt die Rumpfkontrolle. Verletzungen unterhalb von Th6 ermöglichen eine gute Kontrolle des Rumpfes.

Je höher die Rückenmarksverletzung liegt, desto schwerer sind die Symptome. Oft ist für eine unabhängige Mobilität ein Elektrorollstuhl erforderlich. Bei leichteren Verletzungen reicht manchmal auch ein manueller Rollstuhl aus.

Die Tetraplegie wird auch als Quadriplegie bezeichnet. Arme, Hände, Rumpf, Beine und Beckenorgane sind von der Rückenmarkverletzung betroffen.

Eine Paraplegie oder Querschnittslähmung betrifft den Rumpf, die Beine und die Beckenorgane.

Tetraplegia_Paraplegia
Können Schäden am Rückenmark behoben werden?

Leider gibt es für Rückenmarksverletzungen derzeit keine Heilung. Viele Wissenschaftler auf der ganzen Welt widmen ihr ganzes Leben der Erforschung von Rückenmarksverletzungen. Es bleibt zu hoffen, dass in Zukunft neue innovative Verfahren die Perspektiven für Betroffene verbessern werden.

Welche Verletzung des Rückenmarks kommt am häufigsten vor?

Am häufigsten kommen die inkomplette Tetraplegie und Paraplegie vor. Nach Angaben des National Spinal Cord Injury Statistical Center in den USA machen diese beiden Typen mehr als 65 Prozent aller Rückenmarksverletzungen aus. Eine komplette Rückenmarksverletzung liegt in unter 35 Prozent der Fälle vor.

Was ist die häufigste Ursache für Rückenmarksverletzungen?

Diese Frage muss von Land zu Land unterschiedlich beantwortet werden. In den USA sind zum Beispiel derzeit Autounfälle die Hauptursache, gefolgt von Stürzen, Gewalttaten und sportlichen Aktivitäten (Quelle).

Gibt es für Rückenmarksverletzungen eine Therapie?

Die Behandlung einer Rückenmarksverletzung beginnt schon am Unfallort. Im Mittelpunkt der Notfallversorgung stehen hier die Atemfähigkeit und die Minimierung der Auswirkungen von Kopf-, Nacken- oder Rückentraumata durch Ruhigstellung. Im Krankenhaus muss möglicherweise operiert werden, um Knochenfragmente zu entfernen und Bandscheibenvorfälle oder gebrochene Wirbel zu behandeln oder die Wirbelsäule zu stabilisieren.

Nach der Akutphase erfolgt in der Regel eine Überweisung in eine Rehaklinik oder eine auf die Rehabilitation nach Rückenmarksverletzung spezialisierte Einrichtung. Ein Team von Ärzten, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Krankenschwestern, Psychologen, Sozialarbeitern und Ernährungsberatern ist für das Rehabilitationsprogramm mit dem Patienten verantwortlich.

Es gibt viele Hinweise darauf, dass es von Vorteil ist, mit der Rehabilitation zu beginnen, sobald der Patient medizinisch stabil ist. So können oft wichtige Funktionen wiederhergestellt werden, die das Leben im Alltag, die Beweglichkeit und die Lebensqualität verbessern.

In der Reha sind folgende Schwerpunkte von Bedeutung:

  • Erhaltung und Stärkung der vorhandenen Muskelfunktion
  • Wiederherstellung der Feinmotorik
  • Erlernen adaptiver Strategien zur Bewältigung von Alltagsaufgaben
  • Aufklärung über die Prävention von Sekundärkomplikationen
  • Beratung und Unterstützung bei der Bewältigung der neuen Lebenssituation (häusliches Umfeld, Schule, Arbeit, Freizeitaktivitäten usw.)
  • Einsatz von Hilfsmitteln für mehr Unabhängigkeit und Mobilität

Gehtraining nach Rückenmarksverletzung

Wie das Rehabilitationsprogramm gestaltet werden kann, hängt vom Grad und der Art der Verletzung ab. Bei einer inkompletten Rückenmarksverletzung, bei der möglicherweise eine gewisse Funktionalität der unteren Extremitäten erhalten geblieben ist, liegt der Schwerpunkt auf der Gehfähigkeit. Das Training kann mit und ohne Belastung mit dem eigenen Körpergewicht erfolgen. Für das Training unter Gewichtsübernahme können verschiedene robotergestützte Gehtrainer eingesetzt werden. Diese ermöglichen auch Menschen mit schweren Bewegungseinschränkungen ein Gehtraining mit hoher Intensität.

Kann man sich von einer Rückenmarksverletzung vollständig erholen?

Der Grad der Verletzung lässt zwar Rückschlüsse auf eine mögliche Genesung zu, aber zumeist kann in der Frühphase noch keine abschließende Prognose abgegeben werden, da sich in den ersten Wochen und bis zu 6 Monate nach der Verletzung noch Veränderungen ergeben können.

Eine schwere Rückenmarksverletzung verändert das Leben für immer. Wenn man plötzlich gelähmt ist, kann das äußerst beängstigend und verwirrend sein. Viele Betroffene fragen sich: „Wie wird mein Leben in Zukunft aussehen? Meine Arbeit, meine Beziehung und alles andere?“ 

Heilung braucht Zeit, und es wird Höhen und Tiefen geben. Es ist erlaubt, zu trauern und frustriert zu sein. Das ist ganz natürlich und gehört zum Heilungsprozess. Ihre Familie und Ihre medizinischen Betreuer werden Sie unterstützen und anleiten, damit Sie sich Ziele setzen und für sich den richtigen Weg finden können, um Ihr Leben weiterzuleben. Man darf nicht vergessen, dass es viele gelähmte Menschen gibt, die trotz aller Einschränkungen ein produktives und erfülltes Leben führen.

In den meisten Ländern gibt es Verbände, die sich speziell der Unterstützung von Rückenmarksverletzten widmen. Dort erhält man auch relevante Informationen über Rückenmarksverletzungen. Sie sind ein guter Ausgangspunkt, um sich ein Netzwerk aufzubauen und andere Menschen kennenzulernen, die sich in der gleichen Situation befinden. So gibt es zum Beispiel die Spinal Injury Association in Großbritannien und die United Spinal Association in den USA, oder die Fördergemeinschaft der Querschnittgelähmten in Deutschland.

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Rikke Damkjær Moen - Physiotherapeutin – Medical Manager

Rikke Damkjær Moen - Physiotherapeutin – Medical Manager

Rikke Damkjær Moen bereichert das Made for Movement Team mit vielen Jahren Erfahrung als klinische Physiotherapeutin. Es ist ihre Mission, dafür zu sorgen, dass auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität die Möglichkeit erhalten, Freude und Gesundheit durch körperliche Aktivität zu erfahren. Als Medical Manager gibt Rikke Damkjær Moen ihr Wissen über die Lösungen von Made vor Movement gern weiter, damit Menschen mit besonderen Bedürfnissen, ihre Familien und Behandler die Möglichkeiten kennenlernen.