Am Anfang eines zielorientierten Trainings steht die Festlegung eines Ziels, auf das hintrainiert wird. Was bedeutet zielorientiertes Training für Patienten mit Behinderungen?

Goal directed training for patients with CP

Was ist zielorientiertes Training?

Zielorientiertes Training bedeutet einfach ausgedrückt dass eine bestimmte Aufgabe erfüllt werden muss, die eine Rolle für verschiedene Funktionen im Alltagsleben spielt. Es geht zum Beispiel darum zu lernen, Messer und Gabel zu benutzen, Knöpfe zu schließen, Schnürsenkel zuzubinden und andere alltägliche Dinge zu tun. Für einen Erfolg ist es wichtig, dass täglich oder zumindest regelmäßig auf die Ziele hintrainiert wird.
Zielorientiertes Training wird auch als aufgabenorientierte Therapie, zielorientierte Aufgabenübung oder funktionelle Therapie bezeichnet (Quelle).

An wen richtet sich das Angebot?

Zielorientiertes Training kann für Patienten geeignet sein, die folgende Merkmale aufweisen.

Verschiedene Formen von Zerebralparese:
    • Bilaterale Zerebralparese, Diplegie, Hemiplegie, Quadriplegie oder unilateraler Zerebralparese
Verschiedene Mobilitätsgrade:
    • GMFCS I: Geht zu Hause und in der Umgebung frei
    • GMFCS II: Geht mit Einschränkungen, hat Schwierigkeiten mit langen Strecken oder unebenen Oberflächen
    • GMFCS III: Kann mit einer Gehhilfe laufen, z. B. mit Gehstützen oder einem Rollator
    • GMFCS IV: Nutzt in den meisten Situationen einen Aktiv-Rollstuhl.
    • GMFCS V: Wird in den meisten Situationen in einem Rollstuhl transportiert
Verschiedene Grade des Hand- und Armgebrauchs:
    • MACS I: Handhabt Gegenstände ohne Schwierigkeiten und mit dem gewünschten Erfolg
    • MACS II: Handhabt die meisten Gegenstände, jedoch weniger leicht und/oder mit verzögertem Erfolg
    • MACS III: Handhabt Gegenstände nur unter Schwierigkeiten, benötigt Unterstützung zur Vorbereitung und/oder Lenkung von Aktivitäten
    • MACS IV: Handhabt eine begrenzte Auswahl leicht zu handhabender Gegenstände in angepassten Situationen
    • MACS V: Kann keine Gegenstände handhaben und ist selbst in der Ausführung einfachster Handlungen stark eingeschränkt
Verschiedene Grade des Kommunizierens: 
    • CFCS I: Kommuniziert effektiv als Sender und Empfänger mit unbekannten und bekannten Partnern
    • CFCS II: Kommuniziert effektiv aber langsamer als Sender und/oder Empfänger mit unbekannten und/oder bekannten Partnern
    • CFCS III: Kommuniziert effektiv als Sender und Empfänger mit bekannten Partnern
    • CFCS IV: Kommuniziert inkonsistent als Sender und/oder Empfänger mit bekannten Partnern
    • CFCS V: Kommuniziert als Sender und Empfänger auch mit bekannten Partnern selten effektiv

  • Bewegungsstörungen wie Ataxie, Athetose, Dystonie, Hypotonie und Spastizität
  • Intellektuelle Fähigkeiten von ohne Behinderung bis zu schwerer Behinderung

Für Sie als Ergo- oder Physiotherapeut ist es unerlässlich, dass Sie an der Festlegung von Strategien und Zielen gemeinsam mit dem Patienten und seiner Familie beteiligt sind (Quelle).


Goal directed training for patients with CP

Was bedeutet das konkret?

Zielorientiertes Training bedeutet, bestimmte Aufgaben zu trainieren, deren Ausführung im Alltag Schwierigkeiten bereitet. Die Aufgaben werden gemeinsam mit dem Patienten und seiner Familie festgelegt. Es können zum Beispiel Kommunikation, Selbstversorgung und die Grobmotorik trainiert werden, oder Fähigkeiten, die bei der Arbeit oder in der Schule benötigt werden. Das Konzept beruht auf Grundsätzen motorischen Lernens und der Theorie dynamischer Systeme. Daraus ergibt sich, dass für Kinder und Erwachsene unter anderem sowohl die Aufgabe selbst als auch die Alltagssituation, in der sie ausgeführt wird, entscheidend dafür sind, wie gut eine motorische Fähigkeit oder Bewegung erlernt werden kann.

Sie als Behandler können die Aufgaben in erreichbare Zwischenziele unterteilen, die nach und nach abgearbeitet werden, bis das Oberziel erreicht ist. Es ist wichtig, dass in realitätsbezogenen Situationen geübt wird. Das Training sollte also idealerweise in den Alltag integriert sein. Wie erwähnt soll mit dem zielorientierten Training erreicht werden, dass Alltagsaktivitäten leichter bewältigt werden können. Entsprechend unterschiedlich sind die Ziele, wie zum Beispiel einen Ball treffen oder verschiedene Gegenstände greifen können. Wichtig ist nicht das Ziel als solches, sondern dass es für die Person relevant und nützlich ist, die das Training absolviert. (Quelle).

Goal directed training for patients with cp


Beurteilung und Festlegung der Ziele

Zu Beginn sollte der Patient genau beurteilt werden, um besondere Stärken aber auch die Schwächen zu identifizieren, die ihn oder sie davon abhalten, bestimmte Aktivitäten durchzuführen. Die Beurteilung sollte auf Faktoren wie die körperlichen Voraussetzungen, benötigte Ausrüstung und die Situation bzw. die Umgebung Bezug nehmen, in der Aufgaben erfüllt werden sollen. Wenn das Ziel ist, Schnürsenkel zuzubinden, ist beispielsweise von Interesse, wo die Schnürsenkel zugebunden werden sollen, da möglicherweise räumliche Einschränkungen zu berücksichtigen sind.

Zweitens sollte gemessen werden, ob das Training funktioniert wie geplant und tatsächlich hilfreich ist. Zwei wichtige Verfahren zur Messung von Ergebnissen sind:

    • GAS (Goal Attainment Scaling) misst, inwieweit die Ziele des Patienten erreicht wurden.
    • COPM (Canadian Occupational Performance Measure) misst die Veränderung im Hinblick auf die Alltagsaktivitäten, die als problematisch identifiziert wurden.

Diese zwei Verfahren werden nicht nur für die Bewertung sondern auch bei der anfänglichen Festlegung der Ziele eingesetzt (Quelle).

Achten Sie darauf, Maßnahmen mit dem Patienten oder der Patientin und der Familie gemeinsam festzulegen. Weil die Familie und enge Bekannte wahrscheinlich gut über die Umgebung und den Alltag des Patienten Bescheid wissen, können sie zur Festlegung der Ziele viele wertvolle Informationen beitragen.

Zielorientiertes Training kann für Menschen mit Behinderungen eine große Bereicherung sein, da die Funktionalität im Alltag verbessert wird. Mit der Hilfe des Behandlers und der eigenen Familie kann jeder Patient und jede Patientin neue Fähigkeiten erlernen, wenn täglich auf die individuell festgelegten Ziele hintrainiert wird.

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Rikke Damkjær Moen - Physiotherapeutin – Medical Manager

Rikke Damkjær Moen - Physiotherapeutin – Medical Manager

Rikke Damkjær Moen bereichert das Made for Movement Team mit vielen Jahren Erfahrung als klinische Physiotherapeutin. Es ist ihre Mission, dafür zu sorgen, dass auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität die Möglichkeit erhalten, Freude und Gesundheit durch körperliche Aktivität zu erfahren. Als Medical Manager gibt Rikke Damkjær Moen ihr Wissen über die Lösungen von Made vor Movement gern weiter, damit Menschen mit besonderen Bedürfnissen, ihre Familien und Behandler die Möglichkeiten kennenlernen.