Krafttraining (oder Widerstandtraining) ist sehr häufig Teil von Sport- und Fitnessprogrammen. Vielen Menschen geht es beim Krafttraining in erster Linie darum, ihr Aussehen zu verbessern. Hier sprechen wir aber von Krafttraining als einem Mittel zur Verbesserung der Gesundheit, der Funktionalität und des allgemeinen Wohlbefindens.  

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Krafttraining wurde für Menschen mit CP früher als kontraindiziert angesehen.  Vor- und Nachteile wurden kontrovers diskutiert. Heute wissen wir aus Studien, dass Krafttraining keine negativen Auswirkungen auf die Spastizität hat. Trotzdem besteht immer noch Unsicherheit darüber, welche Art von Krafttraining für wen geeignet ist. 

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Was sagt die Forschung? 

Studien haben ergeben, dass sich Krafttraining positiv auf die Beweglichkeit, die Haltung und den Gang junger Menschen mit CP auswirken kann (unter anderem auch auf die Fähigkeit zur Bewältigung von Treppenstufen). Weitere Studien an Erwachsenen unterstützen diese Ergebnisse. Aus ihnen geht unter anderem hervor, dass Krafttraining die Fähigkeit fördert, aus der sitzenden in eine stehende Position zu wechseln. Kräftigende Maßnahmen führten zudem nachweislich zu  einer deutlichen Steigerung der Kraft und körperlichen Leistungsfähigkeit von Menschen mit CP.

Einige Forschungsergebnisse weisen jedoch auch darauf hin, dass die Resultate von Krafttraining für Kinder mit CP durchwachsen sind.  Krafttraining ist also wahrscheinlich nicht für alle Menschen mit CP die optimale Therapie. Was als vorteilhaft angesehen wird, ist sehr individuell. Deshalb muss man sich immer zuerst fragen, was ein Mensch mit seiner Therapie erreichen möchte, bevor man in ein Krafttrainingsprogramm einsteigt. Nicht jeder wird von einem Krafttraining erheblich profitieren. Es können auch andere Therapieformen wirksam und hilfreich sein. 

Es sollte zudem berücksichtigt werden, welche Motivation hinter dem Training steht - nicht nur, ob jemand dadurch kräftiger wird. Ein Fußballfan träumt vielleicht davon, einmal einen Ball zu schießen - andere wünschen sich nur, einmal genug Kraft zu haben um mit der Familie einen Spaziergang zu machen. Auch wenn dies nicht die Ziele sind, mit denen ein Physiotherapeut sich in erster Linie befasst, können Sie für den Menschen selbst von großer Bedeutung und manchmal entscheidend dafür sein, ob eine Therapie als Erfolg betrachtet wird. 
 

Was wird empfohlen? 

Es ist also schwer vorherzusagen, wer von einer Trainingsmaßnahme profitiert und wer nicht. Man sollte zuerst herauszufinden, für welche Personen das Risiko einer Verschlechterung der Gesundheitssituation besteht. Dies ist mit einem Belastungstest möglich. 
 
Als nächstes sollte man feststellen, ob die Verschlechterung auf Inaktivität, Ernährungsfaktoren, krankheitsspezifischer Pathophysiologie oder eine Kombination daraus zurückzuführen ist. Auch das lässt sich testen. Auf dieser Grundlage ist es leichter zu entscheiden, welche Art von Training oder Therapie geeignet wären und ob ein Krafttraining einen positiven Beitrag leisten könnte. 
 
Es wird empfohlen, dass Behandler Patienten mit CP dazu ermutigen, körperlich aktiv zu sein Belastungstests einzusetzen, wenn ein Patient aufgrund von körperlicher Erschöpfung nur eingeschränkt aktiv sein kann. 

Dieser Artikel enthält Empfehlungen für Krafttraining, damit Sie sich ein Bild davon machen können, welche Art von Training empfohlen wird. Bitte beachten Sie, dass es sich dabei nur um allgemeine Empfehlungen handelt. Die meisten Menschen (vor allem Anfänger) werden etwas Zeit brauchen um sich mit den verschiedenen Übungen vertraut zu machen:

Empfehlungen für Krafttraining 

Häufigkeit

Zwei- bis viermal pro Woche, nicht an direkt aufeinanderfolgenden Tagen 

Intensität

Ein bis drei Durchgänge mit je 6 bis 15 Wiederholungen, 50 bis 85 Prozent Wiederholungsmaximum

Dauer

Für ein effektives Training ist keine bestimmte Dauer festgelegt

Zeitraum

Mindestens 12 bis 16 Wochen am Stück 

Art des Trainings

Progressiv von zunächst einfachen Einzelgelenk-Kraftübungen an Geräten, später Kraftübungen in Kombination mit freien Gewichten und unter Einbeziehung mehrerer Gelenke (und in der geschlossenen kinetischen Kette). Einzelgelenk-Übungen können effektiver sein, zum Beispiel bei sehr schwacher Muskulatur, für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die bei komplexen Übungen zum Kompensieren neigen, oder zu Beginn des Trainings

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Jens Kleine - Physiotherapeut - Product Specialist

Jens Kleine - Physiotherapeut - Product Specialist

Jens Kleine ist Physiotherapeut und verfügt über langjährige Vertriebserfahrung in verschiedenen europäischen Märkten für orthopädische Hilfsmittel. Besonders wichtig sind ihm die Bedürfnisse der Benutzer, und er setzt sich mit großem Engagement dafür ein, innovative Lösungen zu finden. Als Product Manager bei Made for Movement arbeitet Jens Kleine eng mit externen medizinischen Fachkräften, dem Vertriebsteam und unserem Team für Forschung und Entwicklung zusammen - immer auf der Suche nach Lösungen, die den Menschen Bewegung ermöglichen, die sie am meisten brauchen.