Die infantile Zerebralparese (auf Englisch Cerebral Palsy, Abkürzung CP) ist eine permanente, nicht progressive neurologische Bewegungs- und Haltungsstörung. Es handelt sich um die häufigste Diagnose bei prä-, peri- bzw. postnatalen Mehrfachschädigungen des Gehirns, die Bewegungsstörungen im Kindesalter verursachen.

  1. Wie entsteht eine infantile Zerebralparese?
  2. Ist Zerebralparese eine progressive Erkrankung?
  3. Was sind die Auswirkungen einer Zerebralparese?
  4. Welches  sind die drei Haupttypen der Zerebralparese?
  5. Kann ein Kind mit einer infantilen Zerebralparese ein normales Leben führen
  6. Wie lange lebt man mit einer Zerebralparese?

Wie entsteht eine infantile Zerebralparese?

Eine Zerebralparese wird durch einen angeborenen Defekt oder eine Schädigung des unreifen Gehirns bis zum Alter von zwei Jahren verursacht. Eine infantile Zerebralparese kommt bei einem von etwa 500 Kindern vor. Sie beeinträchtigt die Bewegungsfähigkeit, die Gleichgewichts- und Haltungskontrolle und die Fähigkeit, zu sprechen, zu essen, zu schlafen und zu lernen. Eine CP entsteht häufig aufgrund von Mehrfachschädigungen des in der Entwicklung befindlichen Gehirns. 

Am meisten gefährdet sind Frühgeborene, wobei jedoch nicht die vorzeitige Geburt eine Zerebralparese verursacht, sondern vielmehr die Ereignisse, die dazu geführt haben. Diese können schon während der Schwangerschaft im Uterus aufgetreten sein.

Die genaue Ursache ist meist nicht bekannt, es gibt jedoch einige bekannte Risikofaktoren:

  • Frühgeburt 
  • Niedriges Geburtsgewicht
  • Zwillings- oder Mehrlingsgeburten
  • Thrombophilie
  • Unzureichende Versorgung des Fötus mit Sauerstoff und Nährstoffen durch die Plazenta 
  • Infektionen der Mutter in der Frühschwangerschaft
  • Sauerstoffmangel unter der Geburt
  • Schwere Neugeborenengelbsucht (Icterus neonatorum)

Ist Zerebralparese eine progressive Erkrankung?

Die CP ist definiert als eine nicht fortschreitende, aber dauerhafte Krankheit. Das bedeutet, dass das Gehirn zwar geschädigt ist, es aber nicht zu einer weiteren Degeneration kommt. Die Symptome können sich im Laufe des Lebens jedoch verändern. Das Kind kann bis zu einem gewissen Grad in der Lage sein, seine Funktionen zu verbessern. Die Bewegungsfähigkeit kann sich jedoch im Laufe des Lebens auch verschlechtern.

Was sind die Auswirkungen einer Zerebralparese?

Die CP beeinträchtigt die Bewegungsfähigkeit, die Gleichgewichts- und Haltungskontrolle und die Fähigkeit, zu sprechen, zu essen, zu schlafen und zu lernen.

Der Schweregrad und die Symptome sind, abhängig von der Art der Schädigung, unterschiedlich. Während manchmal nur leichte Beeinträchtigungen wie Probleme beim Schreiben oder Greifen mit einer Hand vorliegen, ist in anderen Fällen der ganze Körper von schweren Bewegungsstörungen betroffen, sodass die Kinder sich nicht allein bewegen können und rund um die Uhr Unterstützung benötigen.

Typische Symptome sind:

  • Gestörter Muskeltonus
  • Gestörte Muskelkontrolle
  • Willkürliche Bewegungen
  • Verzögerte Entwicklung
  • Asymmetrische Entwicklung 
  • Schwierigkeiten beim Füttern oder Schlucken
  • Probleme im Zusammenhang mit der Blasen- und Darmkontrolle

Symptome einer zerebralen Lähmung

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Welches  sind die drei Haupttypen der Zerebralparese?

Die drei Haupttypen sind:

  • Spastische Paresen
  • Dyskinetische Formen 
  • Ataxien

3-Arten-von-zerebraler-Lähmung

Die spastische Zerebralparese ist die häufigste Form. Sie tritt bei etwa 80 Prozent der Betroffenen auf und ist auf eine Schädigung des motorischen Kortex zurückzuführen. Typisch ist ein erhöhter Muskeltonus, der zu einer Versteifung der Muskulatur führt. Dadurch werden Haltungswechsel erschwert, und die Muskeln, die für die Ausführung bestimmter Aufgaben wie z.B. das Festhalten von Gegenständen, das Sprechen usw. benötigt werden, sind unkontrollierbar. Die spastische Zerebralparese wird in zwei Untergruppen unterteilt:

  • Bilaterale Zerebralparese = beide Seiten des Körpers sind betroffen
  • Unilaterale Zerebralparese = eine Seite des Körpers ist betroffen

Die dyskinetische Zerebralparese tritt bei etwa 6 Prozent der Prozent der Menschen mit Zerebralparesen auf und ist auf eine Schädigung der Basalganglien zurückzuführen. Sie ist durch unfreiwillige, unkontrollierbare Bewegungen gekennzeichnet. Dabei kann es sich um krampfhafte repetitive Bewegungen (Dystonie), langsame Bewegungen (Athetose) oder willkürliche Bewegungen (Chorea) handeln.

Die ataxische Zerebralparese betrifft ebenfalls etwa 6 Prozent der Kinder mit CP. Sie wird durch eine Schädigung des Kleinhirns verursacht. Charakteristisch sind unkontrollierte Bewegungen oder Tremor, Gleichgewichtsstörungen und fehlende Koordinationsfähigkeit.

Zur Klassifizierung des Schweregrads der Motorikstörungen bei Zerebralparese werden zwei Systeme eingesetzt:

  • Das Gross Motor Function Classification System (GMFCS) für die grobmotorischen Fähigkeiten und das
  • Manual Ability Classification System (MACS) für die feinmotorischen Fähigkeiten.

Das Gross Motor Function Classification System (GMFCS) beschreibt die Motorik anhand von 5 Stufen:

GMFCS-Stufen

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Das Manual Ability Classification System (MACS) beschreibt, wie Kinder mit Zerebralparese ihre Hände bei der Manipulation von Objekten im Rahmen von Aktivitäten des täglichen Lebens benutzen.

Kann ein Kind mit einer infantilen Zerebralparese ein normales Leben führen?

Wenn auch Sie ein Kind mit CP haben, dann machen Sie sich vielleicht Sorgen um die Zukunft und fragen sich, was das Leben für Ihr Kind wohl bereithalten mag. Aber Sie und Ihr Kind können das Leben genießen, auch wenn dafür einige Anpassungen erforderlich sind. Dank des umfangreichen Angebots an Hilfsmitteln, über das wir heute verfügen, kann Ihr Kind auch mit eingeschränkter Mobilität und Kommunikationsfähigkeit Unabhängigkeit, Aktivität und Teilhabe erleben. Manche Kinder mit besonders schweren Einschränkungen sind trotzdem ein Leben lang auf die Unterstützung ihrer Familie und ihrer Betreuer angewiesen.

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Wie lange lebt man mit einer Zerebralparese?

Es gibt keine allgemeinen Studien zur Lebenserwartung, aber die meisten Menschen mit Zerebralparese werden zwischen 30 und 70 Jahre alt. Die Lebenserwartung variiert je nach Schweregrad und möglichen Begleiterkrankungen, z.B. der Atemwege. Menschen mit leichten körperlichen Behinderungen haben eine durchschnittliche Lebenserwartung. Je schwerer die Beeinträchtigung, desto kürzer die Lebenserwartung des Kindes. Menschen mit schweren Behinderungen können unter vorzeitiger Alterung, Immunschwäche und kognitiven Einschränkungen leiden. Eine angepasste Behandlung und hochwertige Versorgung kann die Lebensqualität steigern und die Lebenserwartung erhöhen.

Was bedeutet CP

Rikke Damkjær Moen - Physiotherapeutin – Medical Manager

Rikke Damkjær Moen - Physiotherapeutin – Medical Manager

Rikke Damkjær Moen bereichert das Made for Movement Team mit vielen Jahren Erfahrung als klinische Physiotherapeutin. Es ist ihre Mission, dafür zu sorgen, dass auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität die Möglichkeit erhalten, Freude und Gesundheit durch körperliche Aktivität zu erfahren. Als Medical Manager gibt Rikke Damkjær Moen ihr Wissen über die Lösungen von Made vor Movement gern weiter, damit Menschen mit besonderen Bedürfnissen, ihre Familien und Behandler die Möglichkeiten kennenlernen.