Gerade wenn man im Rollstuhl sitzt, ist es wichtig, aktiv zu sein und sich zu bewegen. Nicht nur ihr Körper wird es ihnen danken, sondern es wird ihnen auch im Alltag vieles leichter fallen.

Das richtige Maß finden

Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Zerebralparese, spinale Muskelatrophie (SMA) und Rett Syndrom, aber auch Schädel-Hirn-Traumata und Schlaganfälle können die Mobilität stark einschränken.

Aber schon ein bisschen ist besser als nichts! Sie müssen nicht ins Fitness-Studio gehen oder regelmäßig in einer Gruppe trainieren. Es genügt schon, wenn Sie eine Aktivität finden, die Ihnen Spaß macht und die Sie häufiger ausüben möchten. Je länger Sie dabei sind, desto mehr wird es zur Gewohnheit, sich regelmäßig zu bewegen, und irgendwann werden Sie nicht mehr darauf verzichten wollen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt für Erwachsene im Alter von 18 bis 64 Jahren mit und ohne Behinderungen:

  • mindestens einmal pro Woche 150 Minuten Ausdauertraining mit mittlerer Intensität
  • mindestens zweimal pro Woche ein Krafttraining für die großen Muskelgruppen (Quelle: WHO)

Auch wenn Sie jetzt denken, dass Sie solche Ziele wegen ihrer körperlichen Einschränkungen unmöglich erreichen können: Lassen Sie sich nicht entmutigen! Es geht nicht darum, einen Wettkampf zu gewinnen. Sie können es langsam angehen lassen und sich allmählich steigern. Auch mit einem kleineren Pensum lässt sich im Laufe der Zeit die Fitness verbessern (AACPDM).

Wozu das Ganze?

Bewegung ist gesund für den Körper und für die Psyche. Bewegung mobilisiert die großen Muskelgruppen und regt das Herz-Kreislauf-System an. Der Puls wird schneller, und das Blut wird mit höherer Geschwindigkeit durch den Körper gepumpt. Das wirkt sich auf den Blutdruck, den Cholesterinspiegel und den Blutzucker aus. Wenn Sie regelmäßig trainieren, haben Sie ein geringeres Risiko, an Diabetes und Herzkrankheiten zu erkranken. Sie werden mit Sicherheit besser schlafen und sich insgesamt kräftiger, selbstbewusster und zuversichtlicher fühlen. Auch das Risiko, an Stress und Depressionen zu leiden, kann durch Bewegung nachweislich gesenkt werden. Bewegung wird nicht ohne Grund häufig als „die billigste Medizin, die es gibt“ bezeichnet, und sie hat noch dazu keine Nebenwirkungen. Es spricht also viel dafür, sich regelmäßig zu bewegen.

Fit für den Alltag

Wenn Sie durch Ausdauertraining ihre Kondition verbessern und mit Krafttraining ihre Muskeln stärken, dann werden Sie die positive Wirkung auch im täglichen Leben spüren. Durch einen aktiven Lebensstil lassen sich nämlich konkrete Verbesserungen erreichen:

  • Sie kommen mit dem Rollstuhl besser voran
  • Sie können weitere Strecken zurücklegen
  • Sie haben mehr Energie, zum Beispiel für Aktivitäten mit ihren Freunden und der Familie
  • Sie brauchen weniger Unterstützung im Alltag (zum Beispiel beim Anziehen) 
  • Sie haben weniger Muskelschmerzen 
  • Sie neigen weniger zu schmerzhaften Krämpfen 
  • Sie haben weniger Verdauungsprobleme

Dies sind nur einige Beispiele. Wie sehr Sie von der Bewegung profitieren, hängt natürlich auch davon ab, wie stark ihre Mobilität eingeschränkt ist und wie fit Sie schon vorher waren. Auch die Art der Aktivität spielt eine Rolle für das Ergebnis. 

Vielleicht kennen Sie die Redensart „Man wächst mit seinen Aufgaben“. Anders ausgedrückt helfen Ziele uns dabei, uns weiterzuentwickeln. Sie könnten sich zum Beispiel folgendes Ziel setzen: „Ich möchte mit dem Rollstuhl allein die 700 Meter von zuhause in den Laden fahren können, damit ich selber einkaufen gehen kann.“ Vielleicht müssen Sie sich Zwischenziele setzen, aber wenn Sie regelmäßig darauf hinarbeiten, werden Sie auch ihr übergeordnetes Ziel erreichen. Ihr Trainingsprogramm sollte ein Krafttraining für die Arme und ein Ausdauertraining beinhalten, damit Sie die Räder des Rollstuhls erstens kräftiger anstoßen können und zweitens länger durchhalten. Fangen Sie auf einem Niveau an, bei dem Sie sich wohl fühlen, und steigern Sie die Anforderungen nach und nach, wenn Sie durch das Training allmählich kräftiger und ausdauernder werden.

Vielleicht möchten Sie sich aber auch einfach nur bewegen, um sich wohler zu fühlen? Mögen Sie die Gesellschaft anderer Menschen und gehen gern ins Wasser? Vielleicht wäre ein Besuch im Schwimmbad das Richtige für Sie. Viele Badeanstalten sind heutzutage schon barrierefrei, und meistens gibt es einen Lift für Rollstuhlfahrer. Sie könnten sich einer Schwimmgruppe für Menschen mit Behinderungen anschließen oder einfach mit Freunden oder ihrer Familie ins Schwimmbad gehen. 

Wie Sie sich auch entscheiden und welches Ziel Sie sich setzen: Das Wichtigste ist, dass Ihnen die Aktivität Spaß macht, und das wahrscheinlich auch über einen längeren Zeitraum.

Fragen Sie auch Ihren Physiotherapeuten oder andere Menschen, die sich mit dem Sport- und Bewegungsangebot in Ihrer Gegend auskennen. Vielleicht gibt es ja ganz in der Nähe eine Möglichkeit für Sie, sich regelmäßig zu bewegen?

Der Physiotherapeut kann Sie übrigens auch dazu beraten, was für Aktivitäten für Sie besonders geeignet sind. Auch in einem Fitness-Studio zu trainieren kann eine Option sein.

Physical activity with CP

Welcher Sport ist der richtige?

Zum Glück stehen Menschen mit Behinderungen heutzutage immer mehr Sportarten offen, und es gibt viele Möglichkeiten, aktiv zu werden.

Es gibt: 

  • Schwimmen
  • Rollstuhl-Rennen
  • Racerunning
  • Radfahren
  • Rollstuhl-Basketball
  • Reitsport 
  • Skifahren 
  • Rollstuhl-Tanz
  • Klettern 
  • Volleyball 
  • Gymnastik
  • und vieles mehr für Menschen im Rollstuhl

Aktivitäten für Menschen mit eingeschränkter Mobilität

Auch wenn Sie in Ihrer Mobilität stark eingeschränkt sind, ist körperliche Aktivität möglich und wichtig für Sie. Eine Möglichkeit ist das Radfahren. Es gibt inzwischen viele verschiedene Fahrrad-Modelle für unterschiedliche Fähigkeiten und Bedürfnisse. Eins davon ist der RaceRunner, ein Dreirad, das ohne Pedale auskommt, aber über eine Bruststütze verfügt. Der RaceRunner ist sehr leichtgängig und kann auch mit wenig Kraftaufwand angetrieben werden. Das RaceRunning ist weltweit zu einer beliebten Sportart geworden. 

Auch für das Training zuhause werden viele Hilfsmittel angeboten. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass schon eine aufrechte Haltung allein als leichte körperliche Aktivität anzusehen ist. Für das aufrechte Stehen oder Gehen statische Stehhilfen, Mobilitätshilfen oder Bewegungstrainer zum Einsatz kommen. Der Innowalk ist ein motorisierter Bewegungstrainer, mit dem die Arme und die Beine unter Belastung mit dem eigenen Gewicht bewegt werden können. Die Bewegungen werden so geführt und korrigiert, dass ein nahezu normales Gangmuster entsteht. Das Gerät ähnelt einem Crosstrainer und ermöglicht ein sicheres Training in aufrechter Haltung. Für das Training im Innowalk ist keine eigenständige Steh- und Gehfähigkeit erforderlich.

[Video] Der schwere Weg zurück ins Leben – Wie der Innowalk Stefanie nach einem Schädel-Hirn-Trauma wieder auf die Beine geholfen hat

Johannes: Fit und durchtrainiert

Johannes sitzt im Rollstuhl und hat eine Zerebralparese. Er will einmal unabhängig sein, einen Beruf und eine eigene Wohnung haben. Um seine Ziele zu erreichen und den Alltag zu bewältigen, braucht er viel Kraft und Ausdauer. Johannes ist der lebende Beweis dafür, dass man auch mit einer Behinderung aktiv und fit sein kann. Johannes im Interview: [Video] „Ich bin doch keine Memme!“

 

Wer oder was motiviert Sie zu mehr körperlicher Aktivität?

 

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Rikke Damkjær Moen - Physiotherapeutin – Medical Manager

Rikke Damkjær Moen - Physiotherapeutin – Medical Manager

Rikke Damkjær Moen bereichert das Made for Movement Team mit vielen Jahren Erfahrung als klinische Physiotherapeutin. Es ist ihre Mission, dafür zu sorgen, dass auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität die Möglichkeit erhalten, Freude und Gesundheit durch körperliche Aktivität zu erfahren. Als Medical Manager gibt Rikke Damkjær Moen ihr Wissen über die Lösungen von Made vor Movement gern weiter, damit Menschen mit besonderen Bedürfnissen, ihre Familien und Behandler die Möglichkeiten kennenlernen.