Ein gesunder Mensch kann drei Grundhaltungen einnehmen: Liegen, Sitzen und Stehen. Außerdem kann diese Haltungen beliebig wechseln. Bei Menschen mit Bewegungsstörungen kann eine schlechte Lagerung schwere und manchmal sogar lebensbedrohliche Folgen haben. In diesem Artikel erklären wir, warum ein 24-Stunden-Lagerungsmanagement so wichtig ist.

  1. Was bedeutet „Lagerung“?
  2. Bewegungsstörungen, Haltung und Bewegung
  3. Was ist Lagerungsmanagement?
  4. 24-Stunden-Lagerungsmanagement in der Pflege
  5. Lagerungshilfsmittel
  6. Wann ist der beste Zeitpunkt?

Was bedeutet „Lagerung“?

Als Lagerung (auch Positionsunterstützung) wird die zielgerichtete Positionierung in eine bestimmte, günstige Körperhaltung bezeichnet. Gesunde Menschen ändern ihre Körperposition fortwährend und passen sie kontinuierlich an ihre Aktivitäten und an die Umgebung an. Die Fähigkeit, die Körperposition zu verändern und auf die Schwerkraft durch Muskelaktivität zu reagieren, wird auch als „posturale Kontrolle“ bezeichnet. Ohne posturale Kontrolle würden wir im Stehen oder Sitzen einfach umfallen.

Bewegungsstörungen, Haltung und Bewegung

Gesunde Menschen können ihre Haltung verändern, an die ausgeführten Aufgaben anpassen und sich ohne fremde Hilfe frei bewegen. Menschen mit Bewegungsstörungen dagegen haben häufig Haltungsprobleme durch einen erhöhten oder verminderten Muskeltonus, eingeschränkte Beweglichkeit in den Gelenken, Muskelschwäche und Störungen der Motorik. Solche Einschränkungen beeinträchtigen ihre Fähigkeit zur dynamischen Haltungskontrolle. Es ist für sie schwieriger, sich im Liegen, Sitzen und Stehen frei zu bewegen und die Haltung nach Belieben zu ändern. Externe Unterstützung für das Lagerungsmanagement bietet unter anderem der Einsatz von Hilfsmitteln.

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Durch Fehlhaltungen und mangelnde posturale Kontrolle kann es zur Entwicklung von Asymmetrien, Deformitäten, Kontrakturen und Problemen mit der Atmung, dem Schlucken und der Herzfunktion kommen. Die Schwerkraft wirkt rund um die Uhr in allen Positionen auf den Körper, sodass ein Lagerungsmanagement 24 Stunden am Tag erforderlich ist.

Was ist Lagerungsmanagement?

Das Lagerungsmanagement erfolgt unter anderem durch den Einsatz von Lagerungshilfsmitteln, die den Patienten in unterschiedlichen Positionen wie im Sitzen, Stehen und Liegen unterstützen. Diese Hilfsmittel werden individuell an die Bedürfnisse angepasst und sollen:

  • die Funktionsfähigkeit verbessern und unterstützen
  • die Entwicklung der Motorik fördern und abnorme Bewegungsmuster kontrollieren  
  • Aktivität und Teilhabe fördern 
  • Sekundärschäden vermeiden (Hüftluxationen, Deformitäten, Kontrakturen usw.)
  • Druckstellen verhindern
  • Wohlbefinden und Entspannung fördern 
  • Atmung, Schlucken, Verdauung und Herzfunktion verbessern

24-Stunden-Lagerungsmanagement in der Pflege

Manche Menschen mit Behinderungen sind rund um die Uhr auf unterschiedliche Lagerungsmanagement-Systeme angewiesen, die sie in verschiedenen Positionen unterstützen. Deshalb spricht man in der Pflege häufig von „24-Stunden-Lagerungsmanagement“. 

Das 24-Stunden-Lagerungsmanagement erfordert eine interdisziplinäre Zusammenarbeit von Ärzten, Patienten und Pflegepersonal. Sie als Betreuerin oder Betreuer spielen ebenfalls eine wichtige Rolle für das Lagerungsmanagement und dessen erfolgreiche Integration in den Alltag. Die Lagerungshilfsmittel dienen übrigens auch dazu, das Pflegepersonal zu entlasten.

Der Patient wird von im Liegen, im Sitzen und im Stehen untersucht und beobachtet, um seine Bewegungsmuster, mögliche Einschränkungen und die Wirkung der Schwerkraft auf den Körper genau zu bestimmen. Zusammen mit Ihnen als Betreuer wird untersucht, wie eine Phase verläuft, in der die gesamte Familie mehrere Stunden schläft. Es wird auch analysiert, wieviel Zeit die Person während des Tages mit Sitzen, Liegen, Stehen und Gehen verbringt. Das Ziel ist es, genau die Hilfsmittel zu finden, die den Menschen tagsüber und in der Nacht optimal unterstützen, um Folgendes zu ermöglichen:

  • Symmetrie und Ausrichtung
  • Wohlbefinden und Entspannung
  • Stabilität ohne zu fixieren 
  • Abwechslung 
  • Aktivität und Teilhabe
Symmetrie und Ausrichtung

Menschen mit Behinderungen haben aufgrund von Muskelschwäche und einem gestörten Muskeltonus häufig Probleme mit der Symmetrie. Im Sitzen kann man häufig beobachten, dass trotz aller Bemühungen, den Kopf aufrecht und den Körper im Gleichgewicht zu halten, die Schwerkraft irgendwann überwiegt und der Mensch eine asymmetrische Sitzhaltung einnimmt. Eventuell neigt sich der Patient stärker zu einer Seite, wodurch der Oberkörper auf einer Seite gebeugt und auf der anderen Seite überdehnt wird. Menschen mit Bewegungseinschränkungen haben häufig nicht genug Kraft, um den Körper aus dieser nachteiligen Haltung wieder in Symmetrie zu versetzen. Im Laufe der Zeit wirkt sich die asymmetrische Position negativ auf den Körper aus und kann zum Beispiel eine Skoliose verursachen. Nicht zuletzt beeinträchtigt eine asymmetrische Körperhaltung den Menschen auch in seiner Unabhängigkeit und seiner Fähigkeit, aktiv zu sein und am Alltagsleben teilzunehmen. Um Asymmetrien entgegenzuwirken und eine korrekte Ausrichtung zu erreichen, negative Auswirkungen auf die Körperfunktion und -struktur zu vermeiden, aber auch um die Fähigkeit des Einzelnen zu verbessern, ein aktives Leben zu führen, werden Stützsysteme eingesetzt.

Wohlbefinden und Entspannung

Menschen, die sich nur eingeschränkt bewegen können, sollten sich in allen Positionen (im Liegen, im Sitzen und im Stehen) wohlfühlen. Zum Beispiel kann durch eine schmerzhafte Position eine Spastik ausgelöst werden, wodurch sich die Position noch weiter verschlechtert. Wenn die Person Unbehagen zeigt, besteht Handlungsbedarf! Was ist der Grund? Muss die Position geändert werden? Drückt etwas? Ist die Person vielleicht gewachsen, und das Produkt sitzt nicht mehr richtig oder leistet nicht die notwendige Unterstützung?

Wohlbefinden fördert Entspannung, und das ist vor allem im Liegen sehr wichtig. Vor allem nachts ist ein erholsamer Schlaf sonst nicht möglich.

Stabilität ohne zu fixieren

Positionieren Sie die Hilfsmittel so, dass sie stabilisierend aber nicht fixierend wirken. So sollte ein Spezialsitzsystem zwar den Rumpf stabilisieren, aber die Beweglichkeit der Arme und Hände unterstützen, um die Teilnahme an Aktivitäten, das Essen, die Nutzung der Fernbedienung usw. zu ermöglichen und so die selektive Beweglichkeit zu fördern.

Abwechslung

Wir ändern unsere Position ständig, auch in der Nacht, wenn wir schlafen. Das sollte man immer bedenken, wenn man über ein 24-Stunden-Lagerungsmanagement vor allem für Menschen mit schweren Behinderungen nachdenkt. Möglicherweise können sie ihre Position selbst überhaupt nicht verändern und sind völlig abhängig von Ihnen als Betreuer. Häufige Positionswechsel vermeiden Druckstellen, verhindern eine Einsteifung und Kontrakturen und ermöglichen außerdem Bewegungserfahrungen in verschiedenen Positionen.

Aktivität und Teilhabe

Der Mensch ist ein soziales Wesen, und die Teilhabe an Aktivitäten mit der Familie oder Freunden sind sehr wichtig für sein Wohlbefinden. Durch eine gute und angemessene Positionierung können wir auch Menschen mit moderaten bis schweren Behinderungen ermöglichen, aktiv zu sein und an Aktivitäten teilzunehmen. Man muss sich bewusst machen, dass Menschen mit moderaten bis schweren Behinderungen schon im Alter von 3 bis 4 Jahren die meiste Zeit im Sitzen verbringen (Keawutan et al. 2017). Wenn man schon im jungen Alter auf häufige Positionswechsel achtet, Aktivität fördert und die Zeit im Sitzen verkürzt, wirkt sich das sehr positiv auf die Gesundheit aus.

Lagerungshilfsmittel

Um eine nachteilige Körperhaltung zu korrigieren oder auszugleichen, können verschiedene Hilfsmittel zur Positionierung eingesetzt werden. Hier einige Beispiele:

Im Liegen

  • Verschiedene Arten von Kissen in unterschiedlichen Formen
  • Spezialbetten

Im Sitzen

  • Spezialstühle
  • Manuelle Rollstühle
  • Elektrische Rollstühle
  • Autositze
  • Toilettensitze
  • Badestühle
Im Stehen

  • Statische Stehtrainer
  • Dynamische Stehtrainer
  • Gehtrainer

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Wann ist der beste Zeitpunkt?

Der beste Zeitpunkt für das Lagerungsmanagement hängt vom individuellen Grad der Behinderung ab, aber in der Regel sollte man rechtzeitig damit anfangen. Eine Positionierung im Liegen sollte erfolgen, sobald eine Asymmetrie festgestellt wird. Wenn wir ein Kind im Sitzen und Stehen positionieren, richten wir uns oft nach dem Verhalten eines typisch entwickelten Kindes. Mit dem Sitzen würde man also mit etwa 9 Monaten und mit dem Stehen im Alter von 9 bis 12 Monaten beginnen.

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Generell ist zu beachten, dass sich Bewegungsmuster sehr früh etablieren - auch die unerwünschten. Um der Entwicklung asymmetrischer Haltungsmuster entgegenzuwirken, sollte mit dem 24-Stunden-Lagerungsmanagement daher schon bei der Vermutung einer Entwicklungsstörung oder dem Auftreten von Bewegungsstörungen begonnen werden. Das Lagerungsmanagement ist ein Leben lang erforderlich und sollte kontinuierlich angepasst werden, wenn der Mensch heranwächst und erwachsen wird.

 
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Rikke Damkjær Moen - Physiotherapeutin – Medical Manager

Rikke Damkjær Moen - Physiotherapeutin – Medical Manager

Rikke Damkjær Moen bereichert das Made for Movement Team mit vielen Jahren Erfahrung als klinische Physiotherapeutin. Es ist ihre Mission, dafür zu sorgen, dass auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität die Möglichkeit erhalten, Freude und Gesundheit durch körperliche Aktivität zu erfahren. Als Medical Manager gibt Rikke Damkjær Moen ihr Wissen über die Lösungen von Made vor Movement gern weiter, damit Menschen mit besonderen Bedürfnissen, ihre Familien und Behandler die Möglichkeiten kennenlernen.