Timeea ist ein verspieltes und lebensfrohes Mädchen, das es liebt, Zeit mit anderen Kindern zu verbringen. Sie ist jeden Tag im Kindergarten und ihre beste Freundin freut sich jeden Morgen auf sie. 

Ein niedriger Sauerstoffgehalt führte während der Geburt von Timeea zu einer Schädigung des Gehirns. Anfangs waren die Ärzte besorgt, dass der Defekt zu einer weitreichenden Behinderung führen würde, aber zum Glück war die Beeinträchtigung nicht ganz so schwerwiegend wie zunächst befürchtet. Timeeas Mutter Alexandra erzählt uns, dass es in der ersten Zeit schwer für sie war zu glauben, dass ihr kleines Mädchen einen Hirnschaden hat, da sie ihre Arme und Beine wie jedes andere Baby bewegen konnte. Aber im Alter von etwa sechs Monaten wurde klar, dass sich Timeea nicht wie erwartet entwickelte. Sie war nicht in der Lage, selbstständig zu sitzen. Zudem wurden ihre Beine bei spontanen Bewegungen aufgrund von Spastik oft steif. 
 
Zunächst überwiegten verständlicherweise die Sorgen über die Situation und die Ängste um Timeeas Zukunft. Doch mittlerweile ist sie ein glückliches und fröhliches Mädchen, das sich gut entwickelt und immer neue Ziele erreicht. Sie liebt es, mit anderen Kindern zu spielen und hat viel Freude an Zeichentrickfilmen. Timeea hat die Fähigkeit, sich Lieder aus diesen Cartoons oder anderen Filmen, die sie gerade sieht, einzuprägen und mitzusingen. 

Heute ist Timeea ein Mädchen mit diagnostizierter und GMFCS III-klassifizierter Zerebralparese (CP). 

Mit Physiotherapie zum Ziel

Eltern sind sehr engagiert im Training mit Timeea und nutzen dafür die hervorragende Anleitung ihrer Physiotherapeutin Eli Sletten Solsvik, die Timeea begleitet, seit die kleine Patientin ein Baby war. Eli ist auch eine große Unterstützung, wenn es um das Thema Hilfsmittel geht. Die Physiotherapeutin bezieht nach Möglichkeit alle Ideen und Wünsche der Eltern mit in die Behandlung ein und bespricht mit ihnen, welche Optionen es gibt und welche am besten geeignet sind, Timeea in ihrer Entwicklung zu einem unabhängigen Mädchen voranzubringen. 
 
Unsere Hoffnung und unser größtes Ziel ist es, Timeea das Laufen beizubringenerklärt ihre Mutter. 
 
Als Timeea im Alter von zweieinhalb Jahren in den Kindergarten kam, wurde sie mit dem NF-Walker versorgt. Zu diesem Zeitpunkt stand und bewegte sich Timeea lediglich auf den Knien. Nachdem sie viele Stunden in dieser Position verbracht hatte, verkürzten sich ihre Kniemuskeln und führten schließlich zu Kontrakturen. Dies war der Grund für die Beantragung des NF-Walker, der Timeeas Beine korrigiert und stützt, um sie ins Stehen zu bringen und die volle Streckung des gesamten Körpers zu ermöglichen. Die Eltern erinnern sich an ihren ersten Eindruck vom NF-Walker, den sie zunächst für etwas wuchtig hielten. Als Timeea aber schließlich in dem Gerät befand, erkannten die Eltern, dass der NF-Walker ihrer Tochter das Stehen ermöglichte. Sie sahen auch, wie stabil und aufrecht Timeea stand und hofften dadurch auf eine Unterstützung bei der Entwicklung der weitereGehfähigkeiten. Timeea lernte sehr schnell, mit dem NF-Walker zu gehen, aber sie nutzte ihn auch zum Stehen, zum Beispiel wenn sie sich morgens mit den anderen Kindern zum Singen trifft und Aktivitäten für den Tag geplant werden. Sie steht auch im NF-Walker, wenn sie zeichnet und malt. Seitdem benutzt Timeea den NF-Walker regelmäßig und steht und geht in der Regel jeden Tag eine Stunde in dem Gerät. Der Hauptgrund für die Verwendung des NF-Walker im Kindergarten besteht darin, eine aktive Dehnung von Timeeas Kniesehnen zu gewährleisten und eine weitere Fehlbildung durch Kontrakturen in den Knien zu vermeiden. 

 Junges Mädchen spielt im NF-Walker stehend mit einem Ball

Parallel zum NF-Walker benutzt Timeea auch einen herkömmlichen Gehwagen für eine schnellere Fortbewegung, wenn es darum geht, das Tempo der anderen Kindern mithalten zu können. Mit diesem Gerät bewegt sie sich schnell vorwärts und genießt dadurch die Interaktion mit ihren Mitschülern. Aufgrund der schnellen, unkontrollierten Bewegung lässt sich Timeea dabei über ihre Arme hängen. Durch die gebeugte Körperhaltung und die Adduktionsstellung der Hüfte und der Knie läuft sie auf Zehenspitzen. Das ist nicht gerade die optimalste Position, aber andererseits ist die damit verbundene Bewegungsfreiheit sehr wichtig. Es ist davon auszugehen, dass das tägliche, korrigierte Stehen und Bewegen im NF-Walker die weitere Entwicklung von Fehlstellungen verhindern wird. 

Intensive Trainingsphasen

In den letzten eineinhalb Jahren hat Timeea an zwei intensiven Trainingsphasen im norwegischen Physiotherapiezentrum Barnas teilgenommen. Diese Perioden beinhalten drei Tage intensives Training wöchentlich, in vier bis sechs Wochen. Ziel war es, Timeeas Gehfähigkeit und ihren Gleichgewichtssinn zu verbessern. Im August dieses Jahres schaffte sie es dannzum ersten Mal ein paar Schritte eigenständig zu gehen. 

Die gute Zusammenarbeit beim Training zwischen dem Physiotherapiezentrum und dem lokalen Physiotherapeuten war ein Schlüssel zum Erfolg. Eli, die Physiotherapeutin vor Ort, begleitet Timeea intensiv im Training und bei ihren therapeutischen Bedürfnissen sowie bei der Anpassung der erforderlichen Hilfsmittel. 
 
Zwischen den beiden intensiven Trainingsphasen waren die Eltern auf der Suche nach einem neuen Laufgerät. 
 
„Wir suchten nach einem neuen Hilfsmittel, das Timeeas Gehfähigkeit besser stimuliert und außerdem verhindert, dass sie sich mit den Armen abstützt. Wir wollten, dass sie ein natürlicheres Gangbild erreicht. In ihrer herkömmlichen Gehhilfe hängt Timeea nicht nur an den Armen, sie trainiert auch nicht wirklich ihre Beine. Außerdem neigt sie zu einer Kauerhaltung und zum Laufen auf den Zehenspitzen“, erklärt ihre Mutter. Die Eltern sprachen mit der Physiotherapeutin darüber, die gerade ein neues Laufgerät, den „Hibbot“, kennengelernt hatte.

Erprobung Hibbot

Im Dezember 2019 hat Timeea den Hibbot zum ersten Mal ausprobiert. 

Der Hibbot
Der Hibbot ist eine dynamische Gehhilfe, die eine Teilnahme am alltäglichen Leben ermöglicht. Anders als herkömmliche Gehhilfen, stabilisiert der Hibbot Becken und Rumpf mit ausreichender Unterstützung für das einzelne Kind.

Timeea war anfangs ein wenig ängstlich, weil sie sich nicht mit den Armen abstützen konnte – ein übliches Kompensationsverhalten, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren. Um ihr die Angst zu nehmen, bekam sie einen Puppenwagen, an dem sie sich anfangs festhalten konnte. Nach einer Weile merkte sie, dass sie durch das Gerät sicher gehalten wurde und nicht umkippen konnte. Einer der wichtigsten Vorteile beim Gehen im Hibbot ist, dass er die kleinen Patienten in die Lage versetzt, das Gehen über eine Vorneigung einzuleiten. Timeea läuft nicht mehr auf Zehenspitzen und hat ihren Gleichgewichtssinn deutlich verbessert.

Weiterlesen:Wie ist der Hibbot entstanden? 

Das Gehen im Hibbot war ein wichtiger Teil des Trainings, um Timeeas Gehfähigkeit zu verbessern. Die Eltern haben sich viel Mühe gegeben, die Gehhilfe auch bei ganz alltäglichen Aktivitäten einzusetzen, wie beispielsweise beim Gang zum Kindergarten und beim gemeinsamen Fußballspielen mit der Familie auf dem Bolzplatz – auch wenn das oft nasse Wetter an der norwegischen Westküste für das Outdoor-Training durchaus eine Herausforderung darstellt. Die Familie hat sich entschieden, das Gerät auch mit ins Einkaufszentrum zu nehmen, wo es zum Gehen eine schöne ebene Fläche und lange Gänge gibt. Ein perfekter Ort zum Üben. 

Junges Mädchen spielt Fußball mit der Unterstützung des HibbotTimeea hat ihre Ausdauer beim Gehen im Hibbot kontinuierlich gesteigert. Aber nach 20 Minuten ist sie meist ziemlich erschöpft, denn die Herausforderungpermanent idem geforderten Bewegungsmuster zu gehen, kostet sehr viel Energie und Muskelkraft. Aber das Training hat diese Muskelkraft inzwischen auch erhöht. 

Schrittweise zur Selbstständigkeit

Timeea ist jetzt in der Lage, ein paar Schritte selbstständig zu gehen – und ist deswegen sehr stolz auf sich. Sie ist selbstbewusster geworden und wir sind sicher, dass der Hibbot einen großen Beitrag dazu geleistet hat, erzählt ihre Mutter und ergänzt: „Timeea hat jetzt ein höheres Vertrauen in ihr eigenes Gleichgewicht und ist nicht mehr so sehr darauf angewiesen, sich an einer erwachsenen Person festzuhalten. 

Im Wesentlichen sind sich die Eltern und der Therapeut sicher, dass gerade die Kombination der drei verschiedenen Gehhilfen wichtig für Timeeas Mobilität und Entwicklung ist. Der NF-Walker trägt maßgeblich dazu bei, Kontrakturen und Fehlstellungen in den Beinen vorzubeugen und so das Laufbild zu verbessern. Der Walker ist eine großartige Hilfe zur Erhöhung von Distanz und Geschwindigkeit beim Gehen, insbesondere um die soziale Interaktion mit anderen Kindern im Kindergarten zu steigern. Ergänzend verbessert der Hibbot das normale Gangmuster deutlich und erhöht die Muskelkraft und die Ausdauer. 

Noch immer steigert Timeea ihre motorischen Fähigkeiten, denn sie ist eine Kämpferin. Sie beeindruckt ihr gesamtes Umfeld immer wieder aufs Neue mit ihrer positiven Einstellung und den Fortschritten in ihrer Entwicklung. 

Activities for children who use walkers

Rikke Damkjær Moen - Physiotherapeutin – Medical Manager

Rikke Damkjær Moen - Physiotherapeutin – Medical Manager

Rikke Damkjær Moen bereichert das Made for Movement Team mit vielen Jahren Erfahrung als klinische Physiotherapeutin. Es ist ihre Mission, dafür zu sorgen, dass auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität die Möglichkeit erhalten, Freude und Gesundheit durch körperliche Aktivität zu erfahren. Als Medical Manager gibt Rikke Damkjær Moen ihr Wissen über die Lösungen von Made vor Movement gern weiter, damit Menschen mit besonderen Bedürfnissen, ihre Familien und Behandler die Möglichkeiten kennenlernen.