Hauke ist ein 18-jähriger, junger Mann. Im nächsten Sommer wechselt er von der Schule in eine Tagesförderstätte. Um ihm seine Selbstständigkeit mit der Gehhilfe Xplore noch möglichst lang zuerhalten, trainieren er und seine Therapeutin täglich das Ein- und Ausssteigen mit möglichst wenig Hilfsmitteln.    

Wir haben mit Ulrike Hirsch, Leitende Physiotherapeutin an der Schule Hirtenweg in Hamburg-Othmarschen, geprochen. Der Förderschwerpunkt der Schule liegt auf der körperlichen und motorischen Entwicklung der Kinder. Es werden Kinder ab der ersten bis einschließlich zur elften Klasse betreut.

Frau Hirsch betreut Hauke dort seit der ersten Klasse. Seit gut neun Monaten nutzt Hauke nun den Xplore als Gehhilfe. Derzeit üben die beide intensiv das Ein- und Aussteigen mit dem Xplore. Ziel dabei ist der Einsatz von möglichst wenig Hilfsmitteln, so dass Hauke auch nach Verlassen der Schule seine Selbstständigkeit und seine Freude am Laufen erhalten kann. In einem Interview erzählt uns Frau Hirsch, welche Vorteile der Xplore für Hauke hat. 

Frau Hirsch, können Sie uns kurz etwas zu Hauke und seiner Situation sagen?   

„Hauke wurde im Oktober 18 Jahre und verlässt nächsten Sommer die Schule. Er wird dann in eine Tagesförderstätte gehen. Derzeit macht er schon ein Praktikum, um die neue Umgebung und die neuen Betreuer kennen zu lernen. Hauke ist mehrfach körperlich und geistig eingeschränkt und vorwiegend im Rollstuhl unterwegs, doch das unterstützte Laufen in der Gehlife Xplore bereitet ihm größte Freude“, beschreibt Frau Hirsch die Situation von Hauke.  

Wie haben Sie vom Xplore erfahren?

„Wir arbeiten schon lange mit Made for Movement zusammen und daher kenne ich den Xplore als Hilfsmittel natürlich auch. Auch Hauke kenne ich seit seiner Einschulung. Von Anfang an war er mit der Geh- und Stehhilfe NF-Walker sehr gut versorgt und hatte immer große Freude daran zu laufen. Als dann der Berater von Made for Movement erzählte, dass es den Xplore nun in einer neuen Größe gibt, die auch für Hauke passen könnte, wollten wir diesen direkt ausprobieren. Hauke ist ungefähr 168 cm groß und ist an beiden Hüften und auch an der Wirbelsäule operiert. Er hat einen Stab in der Wirbelsäule und kann daher den Oberkörper nicht rotieren und auch die Hüften nicht stark beugen. Dennoch kann er beim Aussteigen aus dem Rollstuhl gehalten mithelfen und auch gehalten ein paar Schritte gehen. Ich selbst bin nur 1,60 Meter groß. Daher ist es für mich jedes Mal wieder eine Herausforderung, diesen großen, langen Jungen mit der Freude, die er hat und mit dem, was er mithelfen kann, in die Gehhilfe zu transferieren. Doch ich bin glücklich, denn es ist für uns total ungewöhnlich, dass Kinder in diesem Altern und mit dieser Größe noch so gut laufen können“, schwärmt Frau Hirsch. „Daher möchte ich ihm das möglichst lange erhalten und deshalb üben wir auch so intensiv, so dass dies nach der Schule auch in der Tagesförderstätte mit den neuen Betreuern gut funktionieren wird“, erläutert sie uns ihr langfristiges Ziel für Hauke weiter. 

Welche Vorteile hat der Xplore für Hauke? 

Die Vorteile sind für Frau Hirsch ganz klar: „In die Gehhilfe Xplore einzusteigen ist für Hauke einfacher als in den NF Walker. Er hat das Gerät direkt angenommen. Wir können ihn jetzt noch besser aufrichten in der Wirbelsäule, da die Pelotten viel höher gehen, somit ist dies nun für sein Alter und mit seiner Größe die bessere Versorgung.  

Auch die Auswirkungen des Stehens und Gehens auf den Körper der Kinder ist nicht zu vernachlässigen, Kontrakturen werden verringert, die Verdauung angeregt und auch die Teilhabe ist eine ganz andere, was sich kognitiv positiv auswirkt – um nur einige zu nennen. 

Außerdem ist der Xplore etwas günstiger, was dem Kostendruck von Seiten der Krankenkassen entgegenkommt, so dass dieser direkt genehmigt wurde.“ 

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Seit wann nutzt Hauke den Xplore? 

Hauke hat den Xplore jetzt seit zirka Ende Januar 2021 – also knapp neun Monate. Gerade zuletzt hat er enorme Fortschritte gemacht, Hauke hat sich auch sehr viel weiterentwickelt. Es liegt teilweise auch an Corona. Seit Anfang August ist die Zwangspause beendet und er konnte wieder in die Schule kommen und alle Angebote annehmen. Das hat ihn nochmals nach vorne gebracht. Die Erholungsphase, die Kinder auch brauchen, hat ihm gutgetan und nach diesen Monaten war es eine Art Neuanfang,“ erzählt uns Frau Hirsch. 

Welche Therapie wenden Sie für das Training an und wie gehen Sie vor? 

„In der Schule, in der unser Ziel generell die größtmögliche Selbstständigkeit im Alltag ist, wenden wir unter anderem die Therapie nach dem Bobath-Konzept an.  

Im Moment ist mein Ziel das Aussteigen aus dem Rollstuhl, dann auf einem Bein stehen und schließlich ein Bein über das Chassis des Xplore setzen. Ich übe das immer mit dem Xplore und für mich ist der Weg das Ziel – es geht nicht darum ihn schnell in das Gerät hineinzustellen. Sondern für mich geht es darum, was Hauke tun kann. Wie kann er mithelfen, was muss er für eine Eigenaktivität haben: Nämlich sich aus dem Sitz des Rollstuhls drücken, dann ein Bein anheben und es anschließend über das Chassis des Xplore wieder herunterstellen. Für mich sind all die Schritte wichtig, die notwendig sind, dass Hauke mit möglichst wenig Hilfe in die Gehhilfe kommt.  

Das ist gerade das vorrangige Ziel der Übungen und der Therapie. Parallel üben wir auch wie er möglichst selbstständig in den Stehständer hinein und wieder herauskommt. Alles, was für seinen Alltag wichtig ist. Es geht darum, dass auch Personen, die ihn nicht gut kennen, all dies mit ihm machen können. Wir rufen diese Übungen immer wieder ab – um diese zu erlernen benötigt Hauke zirka 5.000 Wiederholungen. Wenn er die einzelnen Schritte verinnerlicht hat, dann können auch Personen, die vorher selbstverständlich dennoch eingewiesen werden müssen, mit Hauke arbeiten.  

Hauke hat ja auch seinen eigenen Kopf, wenn er etwas gerne tun, dann hilft er auch sehr gut mit. Da im Laufen sehr viel Freude bereitet, hilft er hier. Ganz anders ist es morgens nach dem Aufstehen, wenn er mithelfen soll, sich anzuziehen, das findet er nicht toll und entsprechend hilft er da nicht mit,“ lacht Frau Hirsch. 

Wie gehen Sie beim Training vor? 

Bisher ist Hauke, mit Hilfe von zwei Personen, aus dem Rollstuhl vorwärts an einer Sprossenwand aufgestanden, direkt auf einen Klotz, so dass er schon etwas höher war. Dann haben wir Hauke gesichert und den Xplore dahinter gestellt. Nun wurden noch zwei große Kästen rechts und links neben das Chassis gestellt, so dass er, mit Hilfe einer Begleitperson, die Beine links und rechts nach hinten nehmen und sich dann auf den Sitz des Xplore setzen konnte. Hauke hat sich dabei immer an der Sprossenwand festgehalten. 

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Das haben wir alles schon abgebaut – heute steigt Hauke mit mir aus dem Rollstuhl aus, der neben dem Xplore steht. Er nimmt, von mir gehalten und von der Begleitperson unterstützt, ein Bein über das Chassis auf einen kleinen Kasten. Dann drückt er sich mit diesem Bein nach hinten auf den Sitz des Xplore hoch. So konnten wir die Hilfsmittel schon auf das Minimale reduzieren. Eine zweite Person zur Unterstützung ist und bleibt aber nötige Voraussetzung für den Transfer. 

Ich bringe Hauke auch gut zum Stehen – wir beide sind nun auch 12 Jahre erprobt und ich habe auch ein bisschen Erfahrung“, lacht Frau Hirsch. 

„Trotzdem kann dies natürlich nicht jeder tun. Man braucht schon Verständnis für die speziellen Anforderungen von Hauke und auch eine weitere Person zur Unterstützung, um ihn in das Gerät zu transferieren, doch nun muss man ihn nicht mehr heben und dies ist eine große Erleichterung für alle Beteiligten.“ 

Welches Gerät hat Hauke vor der Gehhilfe Xplore benutzt und nutzt er noch andere Hilfsmittel? 

„Vor dem Xplore war Hauke, wie schon erwähnt, immer mit einem NF-Walker versorgt. Außerdem hat er noch einen Rollstuhl, einen Stehständer für zuhause und auch Orthesen. Hier in der Einrichtung verwendet er einen Stehständer aus unserem Fundus. Mit dem Rollstuhl pendelt er dann zwischen Schule und Zuhause. Er kann den Rollstuhl auch alleine fahren – allerdings keine langen Strecken, denn Hauke lässt sich gerne ablenken“, erläutert Frau Hirsch.

Was waren die größten Herausforderungen für Hauke vor der Verwendung Xplore? 

Frau Hirsch erzählt, dass Hauke schon immer eine starke Skoliose hatte, schon als Baby und er hat immer ein Korsett getragen. Nachdem er ausgewachsen war, wurde die gesamte Wirbelsäule einschließlich der Lendenwirbelsäule versteift. Sich damit auseinanderzusetzen, war für Hauke eine große Herausforderung. Er musste erst verstehen, wie er jetzt noch interagieren kann. Daher sind alle an der Schule auch sehr froh, dass er immer noch so gut laufen kann.    

Im Xplore kann sich Hauke selbstständig, schnell und mit viel Freude in einer aufrechten Position fortbewegen.

Wie lautet Ihre Empfehlung für die Verwendung des Xplore im Alltag? 

„Im Moment benutzt Hauke den Xplore 3 - 4 Mal die Woche, dann jeweils zirka 40 - 50 Minuten. Es wäre toll, wenn es so weiterginge, auch in der Tagesförderstätte. Doch ich vermute, so wird es aus personellen und zeitlichen Gründen nicht sein, mit 2-mal in der Woche wäre ich schon glücklich.

Hier in der Einrichtung gibt es lange, glatte Flure, in denen man mit ihm laufen kann. Doch wenn wir in den Schulhof hinausgehen, wo es etwas uneben ist, dann wird es schon schwieriger. Die Eltern würden die Gehhilfe Xplore auch gerne zu Hause benutzen. Sie haben aber leider nicht den Platz dafür, dass er dort richtig weit laufen könnte. Für die Zukunft wird man sehen, ob in der Einrichtung, in die er kommt, weiterhin die Möglichkeit besteht, dass er den Xplore regelmäßig nutzen kann. Bei so einem großen Jungen hat der Xplore natürlich auch andere Ausmaße und das Gerät muss ja auch gelagert werden“, weißt Frau Hirsch auf die möglichen Hindernisse in der Zukunft hin.  

Was macht Hauke im Xplore am meisten Spaß? 

In der Schule gibt es verschiedene Spiele und Aufgaben für Hauke, so dass er mit einem gezielten Auftrag losgeht. Er spielt gerne verstecken, dabei ist er der Suchende. Oder er bekommt eine Aufgabe, wie zum Beispiel etwas einzusammeln. Dazu wurde an den Flurwänden Klettband befestigt, an das man verschiedene Sachen anbringen kann. „Hauke zum Beispiel liebt Kabel, das ist auch eines der wenigen Worte, die er sprechen kann. Er interessiert sich für alle Kabel dieser Welt“, schmunzelt Frau Hirsch. „Daher bringen wir Kabel an verschiedenen Klettpunkten an und Hauke geht dann diese einsammeln und sortieren. Er läuft also nicht einfach sinnlos, er hat entweder einen Weg, wohin er gehen soll, beispielweise zum Fahrstuhl und mit diesem dann nach oben fahren oder er hat den Auftrag, die Kabel einzusammeln oder wir spielen verstecken – das sind seine Lieblingsthemen. Wir fragen ihn, was er machen möchte und dann geht es los. Wenn wir ihm eine Aufgabe geben, sind wir immer dabei, denn wir können ihn natürlich auch nicht unbeaufsichtigt lassen.“ 

Wie kann Hauke von der langfristigen Verwendung des Xplore profitiert? 

„Bei einem so großen, jungen Mann wäre es einfach schön, wenn man ihm seine Geh- und Stehfähigkeit für sein Leben solange wie möglich erhalten könnte. Und das würde ich mir sehr erhoffen, dass ihm dieser Spaß und die Fähigkeit auch erhalten wird. Hauke ist ein fröhlicher Junge, und wenn ich ihn frage, ob er laufen möchte, dann springt er mir vor Freude fast aus dem Rollstuhl und quietscht vor Vergnügen, das ist sehr beeindruckend und zeigt, wie gerne er dies tut. Laufen ist wirklich sein größtes Hobby und ich würde mich so freuen, wenn er dies auch in 20 Jahren noch machen könnte“, zeichnet Frau Hirsch die Zukunft fast schon etwas wehmütig.

„Es ist so wichtig, die Geh- und Stehfähigkeit möglichst lange zu erhalten, denn in dem Moment, wo die Kinder das nicht mehr können, nehmen die Kontrakturen auch zu. Außerdem ist es eine Möglichkeit die Selbstständigkeit zu erhalten. Den Kindern geht es um Teilhabe. Sie möchten dabei sein und auch das tun, was sie tun können und was die anderen jungen Leute tun. Das sind auch die wesentlichen Dinge, die sie sich wünschen. Besonders wichtig ist auch auf Augenhöhe mit den anderen zu sein. So haben sie eine ganz andere Wahrnehmung der Umgebung und auch die Kinder werden anders wahrgenommen.“ 

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Was hat Sie an der Gehhilfe Xplore überzeugt?

„Für mich ist der Xplore einfach so gut und so durchdacht, und wirklich schwerbetroffene Kinder können dadurch mobil und selbstständig werden, das finde ich einfach grandios. Ich bin von den Geräten von Made for Movement wirklich überzeugt. Auch der NF Walker finde ich total toll. 

Toll finde ich auch, dass man nun auch bei größeren Kindern mit einer guten Technik den Transfer in die Geräte hinbekommt, früher musste man sie alle hineinheben“, freut sich Frau Hirsch über die Weiterentwicklung der Geräte.  

Was wünschen Sie sich für Hauke in der Zukunft? 

„Wenn ich an seine Zukunft denke, wird er auch weiterhin Physiotherapie haben, über Physiotherapeuten, die aus Praxen in die Tagesförderstätte kommen und mit den Menschen dort arbeiten. Bei guter Anleitung bin ich mir sicher, dass Hauke den Xplore auch weiterhin nutzen kann, denn das ist sein größter Spaß und das wünsche ich ihm, dass ihm dieser Spaß noch lange erhalten bleibt.“

Ich spüre, dass Frau Hirsch der Abschied von Hauke im nächsten Sommer nicht leichtfallen wird. 

Frau Hirsch, herzlichen Dank für das Gespräch. 

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Trine Roald - Public Relations – Head of Marketing

Trine Roald - Public Relations – Head of Marketing

Trine Roald verfügt über mehr als 20 Jahre internationale Erfahrung in verschiedenen Branchen, von denen ihr aber noch keine so am Herzen gelegen hat, wie ihre Arbeit bei Made for Movement. Hier kann sie für diejenigen etwas bewegen, die es am meisten brauchen. Deshalb setzt sie sich als Head of Marketing bei Made for Movement mit Leidenschaft dafür ein, andere mit Stories und Know-How darüber zu informieren, wie die Lebensqualität von Menschen mit schweren Behinderungen verbessert werden kann.