Eine neue internationale Metaanalyse, die bei Patienten mit genetischen und erworbenen neuromuskulären Erkrankungen durchgeführt wurde, ergab positive Neuigkeiten für die unterstützte Bewegungstherapie: Die Studie ergab, dass 94 Prozent der Studienteilnehmer ihr klinisches Ergebnis verbessern konnten.

Die Studienergebnisse werden in der Fachzeitschrift „PeerJ“ veröffentlicht.

Den vollständigen Artikel „Wirkung unterstützter Gehbewegungen mit dem motorisierten Hilfsmittel Innowalk bei Patienten mit genetischen und erworbenen neuromuskulären Erkrankungen: Eine internationale Metaanalyse von Fallstudien“ finden Sie hier (Link).

Um Ihnen schon jetzt einen kurzen Überblick über die Studie zu geben, hier eine kurze Zusammenfassung.

Einführung

Es ist bekannt, dass Menschen mit körperlichen Behinderungen und dauerhaften motorischen Beeinträchtigungen, wie sie zum Beispiel durch Zerebralparesen entstehen, unter den Folgen des Krankheitsverlaufs leiden. Dies ist nicht nur auf die komplexen Symptome der Krankheit sondern auch auf Sekundärerkrankungen zurückzuführen.
Die multidisziplinäre Therapie zielt darauf ab, die Lebensqualität von Patienten und Pflegepersonal zu verbessern, die Körperstruktur und -funktion zu erhalten und mehr Aktivität und Teilhabe im Alltag zu ermöglichen.

Ziel der Studie

Der Innowalk ist ein motorisiertes Hilfsmittel für das dynamische Stehen unter Gewichtsübernahme. Mit der Studie sollte das Potenzial des Innowalk in Kombination mit der Standardtherapie durch eine Metaanalyse verfügbarer Untersuchungen bewertet werden.

Die Studie konzentriert sich in erster Linie auf die Auswirkungen auf den passiven Bewegungsumfang (PROM) der unteren Extremitäten und die Lebensqualität sowie die Identifizierung von Risiken und unerwünschten Nebenwirkungen des dynamischen Stehens.

Metaanalyse

– Verfahren zur Zusammenführung von Daten aus mehreren Studien
– Erhöht die statistische Aussagekraft
– Identifiziert gemeinsame Auswirkungen
– Metaanalysen können eine wichtige Rolle für das Design neuer Studien spielen.

Material und Verfahren

Insgesamt 11 abgeschlossene, nicht-randomisierte prospektive Studien mit 83 Patienten aus den Jahren 2009 bis 2017 wurden identifiziert, meist aus unveröffentlichten, nichtjournalistischen Quellen. 52 Patienten wurden aufgrund fehlender Schlüsselvariablen (n=51) und Duplikate (n=1) ausgeschlossen, sodass insgesamt 9 Studien mit 31 Patienten ausgewertet werden konnten. Die Studienpopulation beinhaltete Patienten mit verschiedenen neuromuskulären Erkrankungen, bei denen das dynamische Stehen im Innowalk im Rahmen der oder zusätzlich zur Standardbehandlung angewendet wurde.

Ergebnisse

Die Studienauswahl war repräsentativ für eine Population mit schweren Behinderungen mit 90 % Minderjährigen und 58 % Männern, die mehrheitlich unter Spastizität litten. Alle Patienten bis auf 5 hatten Zerebralparese (86 %). Andere zugrundeliegende oder zusätzliche Diagnosen waren spinale Muskelatrophie Typ 3, Rett-Syndrom, erworbene Hirnverletzungen, bronchopulmonale Dysplasie, Mikrozephalie und kongenitale Muskeldystrophie. GMFCS-E&R wurde bei 78% der Patienten mit Zerebralparese mindestens als Stufe IV eingestuft. Nur vier Patienten konnten ohne oder mit geringen Schwierigkeiten Transfers selbst bewältigen oder frei sitzen (Merkmale und demographische Variablen siehe Tabelle 2 im Artikel). Von 15 Patienten, die Angaben zu Schmerzen machten, gaben bis auf 3 schmerzfreie Patienten alle leichte (n=8) bis mittlere (n=4) Schmerzen an.
Die Patienten trainierten das dynamische Stehen mindestens 4 Wochen lang in Trainingseinheiten von 30 bis 60 Minuten und mit einer Häufigkeit von 2 bis 7,5 Mal pro Woche.

94 Prozent der Patienten erzielten ein besseres klinisches Ergebnis im Hinblick auf:

Gehen oder Transfer unter Gewichtsübernahme (n=13)
– Kontrolle/Stärke von Rumpf oder Kopf (n=6)
– Gelenkbeweglichkeit (n=14)
– Schlaf (n=4 von 6/67%)
– Muskelkraft (n=17)
– Vitalfunktionen (n=16)
– Verdauungsfunktion (n=10)
– Aufmerksamkeit/ Orientierung (n=2)
– Passiver Bewegungsumfang der unteren Extremitäten (Hüfte, Flexion, Abduktion und Adduktion):
– Nahm nach 1 Monat und weiter nach 5 Monaten im Vergleich zu einer Kontrollgruppe mit konventioneller Therapie deutlich zu (siehe Tabelle 7 im Artikel für nähere Angaben).

Adverse Events oder nachteilige Erfahrungen wurden nicht berichtet.

Erläuterung

Die gepoolte Analyse ergab, dass sich bei regelmäßiger Verwendung des Hilfsmittels Innowalk in der Population der passive Bewegungsumfang der unteren Extremitäten in Kombination mit der konventionellen Therapie deutlich verbesserte. Darüber hinaus ergab die Studie verschiedene weitere Verbesserungen im Zusammenhang mit dem Muskeltonus und dem allgemeinen Wohlbefinden durch die körperliche Aktivität. Insgesamt ist der Innowalk ein vielversprechendes Gerät mit großem Potenzial für die weitere Optimierung der evidenzbasierten Therapie von Patienten mit schweren körperlichen Behinderungen. Für die gepoolte Analyse gelten die mit der gemeinsamen Nutzung von Daten verbundenen Einschränkungen; die Daten können jedoch die Grundlage für eine zukünftige randomisierte kontrollierte Studie bilden.

Zur Vertiefung empfehlen wir, den vollständigen Artikel zu lesen.

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Rikke Damkjær Moen - Physiotherapeutin – Medical Manager

Rikke Damkjær Moen - Physiotherapeutin – Medical Manager

Rikke Damkjær Moen bereichert das Made for Movement Team mit vielen Jahren Erfahrung als klinische Physiotherapeutin. Es ist ihre Mission, dafür zu sorgen, dass auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität die Möglichkeit erhalten, Freude und Gesundheit durch körperliche Aktivität zu erfahren. Als Medical Manager gibt Rikke Damkjær Moen ihr Wissen über die Lösungen von Made vor Movement gern weiter, damit Menschen mit besonderen Bedürfnissen, ihre Familien und Behandler die Möglichkeiten kennenlernen.