Die Frage der richtigen Dosierung wird oft gestellt, wenn es um die physiotherapeutische Behandlung von Kindern mit Zerebralparese geht. Wie viel Therapie ist genug?

Aus früheren Studien ist bekannt, dass 90 Prozent der Kinder mit Zerebralparese ein- bis zweimal pro Woche physiotherapeutisch behandelt werden1.

Ganz genau wissen wir derzeit noch nicht, wie die optimale Therapiedosierung für eien Verbesserung der Grobmotorik ist. Es besteht immer noch ein Bedarf an weiteren Untersuchungen zur konkreten Gestaltung familienfreundlicher und erreichbarer Maßnahmen für optimale Ergebnisse.

Entwicklungsfaktoren für die Grobmotorik

Ein im letzten Jahr in Norwegen veröffentlichter Artikel liefert neue Erkenntnisse.

Størvold et al. (2018) führten im Rahmen des Norwegian Cerebral Palsy Surveillance Program 2048 Untersuchungen von 442 Kindern mit Zerebralparese im Alter zwischen 2 und 12 Jahren durch.
Bei den Kindern waren alle GMFCS-Stufen vertreten. Genaue Angaben zur Art der Physiotherapie wurden in der Studie nicht gemacht. Es wurden aber die Intensität und der GMFM-Gesamt- und Zielscore erfasst.

Der GMFM-66 war die Zielvariable in der Studie. Ein Anstieg im Referenz-Perzentil wurde als Verbesserung der Grobmotorik gewertet. „Intensivtraining“ wurde definiert als mindestens drei Einheiten Physiotherapie pro Woche und/oder die Teilnahme an einem Intensivprogramm.

Ergebnisse

Die Studie ergab, dass die mittlere Abweichung zwischen den Bewertungen 0 betrug und die meisten Kinder in ihrem Perzentil blieben. Der mittlere Anstieg pro Jahr betrug 2,1 Perzentile.
Die Studie ergab also, dass Intensivtraining der einzige Interventionsfaktor war, der mit einer Verbesserung der Grobmotorik in Verbindung gebracht werden konnte. Dies galt unabhängig von der GMFCS-Stufe für alle Kinder in der Studie.

Es wurde auch herausgefunden, dass das Vorliegen einer geistigen Behinderung der stärkste Indikator für eine ungünstigere Entwicklung der Grobmotorik darstellte. Tatsächlich war die grobmotorische Entwicklung bei Kindern mit geistiger Behinderung um 24,2 niedriger als bei den anderen Kindern. Es wurde außerdem festgestellt, dass Knöchelkontrakturen mit zunehmendem Alter des Kindes die Entwicklung der Grobmotorik behindern können.

Wann ist ein Intensivtraining vorteilhaft?

Die Studienergebnisse liefern klinische relevante Informationen und Unterstützen die Annahme, dass Intensivtraining bei der Verbesserung der Grobmotorik bei Kindern mit Zerebralparese bessere Ergebnisse liefert. Idealerweise sollten mit den Kindern mehr als drei Einheiten Physiotherapie pro Woche und/oder Intensivprogramme über mehrere Wochen durchgeführt werden. Die Studie weist darauf hin, dass eine Phase Intensivtraining die Grobmotorik um 3,3 und zwei Phasen um 6,6 Perzentile verbessert.

Wie gestalten Sie Ihre Therapie, und wie wirken sich diese Erkenntnisse auf Ihre zukünftige Arbeit aus?

Aktivitätenleitfaden für kinder mit behinderungn

Quellen

1. Palisano, R. J., Begnoche, D. M., Chiarello, L. A., Bartlett, D. J., McCoy, S. W., & Chang, H. J. (2012). Amount and focus of physical therapy and occupational therapy for young children with cerebral palsy. Phys Occup Ther Pediatr, 32(4), 368-382. doi:10.3109/01942638.2012.715620

Størvold, G. V., Jahnsen, R. B., Evensen, K. A. I., Romild, U. K., & Bratberg, G. H. (2018). Factors Associated with Enhanced Gross Motor Progress in Children with Cerebral Palsy: A Register-Based Study. Physical & Occupational Therapy In Pediatrics, 1-14. doi:10.1080/01942638.2018.1462288

 

Rikke Damkjær Moen - Physiotherapeutin – Medical Manager

Rikke Damkjær Moen - Physiotherapeutin – Medical Manager

Rikke Damkjær Moen bereichert das Made for Movement Team mit vielen Jahren Erfahrung als klinische Physiotherapeutin. Es ist ihre Mission, dafür zu sorgen, dass auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität die Möglichkeit erhalten, Freude und Gesundheit durch körperliche Aktivität zu erfahren. Als Medical Manager gibt Rikke Damkjær Moen ihr Wissen über die Lösungen von Made vor Movement gern weiter, damit Menschen mit besonderen Bedürfnissen, ihre Familien und Behandler die Möglichkeiten kennenlernen.