Oft hört man: Je eher Sie anfangen, desto besser! Aber wann ist es bei Kindern mit verzögerter Entwicklung, bei denen die Gefahr besteht, dass sie eine Bewegungsstörung entwickeln, noch früh genug?

Frühförderung wird als Begriff im Zusammenhang mit unterschiedlichen Behandlungsansätzen oder Präventionsmaßnahmen verwendet. Er wird häufig umschrieben mit „entwicklungsfördernde Maßnahmen für Säuglinge und Kleinkinder, bei denen eine Behinderung festgestellt wurde oder die Gefahr einer gestörten Entwicklung besteht“.

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Wenn wir die Literatur zur Entwicklung des Gehirns studieren, ist dort beschrieben, dass die ersten zwei Lebensjahre eine kritische Phase des Lernens darstellen. Warum ist das so? Bis zum Alter von zwei Jahren kommt es zu einer raschen Entwicklung von Synapsen im Gehirn. Es ist die Zeit, in der das Gehirn sich am besten anpassen und lernen kann (Johnston, 2009).


„Die ersten zwei Lebensjahre stellen eine kritische Phase des Lernens dar.“


Doch auch danach gibt es aufgrund der einzigartigen Neuroplastizität des Gehirns noch Potenzial für Entwicklung. Diese konnte zum Beispiel bei Erwachsenen nach Schlaganfällen und Schädel-Hirn-Traumata nachgewiesen werden (Kleim, 2011).

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Diagnoseverfahren

Heute verfügen wir über verschiedene Diagnoseverfahren, um Behinderungen festzustellen oder Kinder zu identifizieren, bei denen die Gefahr besteht, dass sie eine Bewegungsstörung entwickeln. Dazu werden Technologien wie die Ultrasonographie und Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT) eingesetzt.

Darüber hinaus gibt es auch klinische Verfahren, die von Physiotherapeuten eingesetzt werden, wie zum Beispiel die Methode zur qualitativen Analyse der General Movements (GM) (Einspieler & Prechtl, 2005). Die GM-Analyse kann ab der Geburt bis zur 20. Lebenswoche für die Erkennung neurologischer Probleme eingesetzt werden, die zu Zerebralparese oder anderen Entwicklungsstörungen führen können. Dieses Verfahren kommt auf den Säuglingsstationen der Krankhäuser häufig zum Einsatz.

Ein weiteres Verfahren sind die Alberta Infant Motor Scales (AIMS) (Darrah, Piper, & Watt, 1998). Die Skalen gelten als zuverlässiges und gültiges Verfahren zur Beurteilung der grobmotorischen Entwicklung von Kindern im Alter von 0-18 Monaten.

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Perzentil liefert und somit als Indikator für das Risiko einer Bewegungsstörung dienen kann (Darrah et al., 1998). Daneben gibt es noch weitere Verfahren, wie zum Beispiel den Test of Infant Motor Performance (TIMP) (Campbell, Kolobe, Osten, Lenke, & Girolami, 1995).

Wenn das Kind über einen bestimmten Zeitraum beobachtet und eine motorische Störung festgestellt wird, ist es wichtig, dass das Kind weiter beobachtet und durch den Physiotherapeuten und andere Fachkräfte betreut wird, auch wenn die endgültige Diagnose noch nicht festgestellt wurde. Es ist zum Beispiel bekannt, dass Kinder mit Zerebralparese meist im Alter von ein bis zwei Jahren die erste Diagnose erhalten (Herskind, Greisen und Nielsen, 2015).

Welche Fördermaßnahmen sind für das Kind geeignet?

Es gibt verschiedene Förderansätze, in erster Linie ist jedoch wichtig, die Therapie auf die Diagnose, die Schwere der Erkrankung, das Alter und die Bedürfnisse des Kindes und der Familie abzustimmen. Die Maßnahmen für das Kind sollten zudem evidenzbasiert sein. Die Aktivitäten und die Teilnahem daran müssen für das Kind einerseits interessant sein und anderseits die Lebensqualität steigern (Novak et al., 2013).

Beispiele für physiotherapeutische Maßnahmen sind:

  • Motorische Aktivität
  • Funktionstraining und Selbstversorgung
  • Spastizitätsmanagement
  • Kontraktionsmanagement
  • Muskeltraining

Unter anderem wurde von Iona Novak eine umfassende systematische Übersicht über Therapien für Kinder mit Zerebralparese veröffentlicht. Dieser Beitrag ist besonders wertvoll für Kinder-Physiotherapeuten in der klinischen Praxis.

Es wird unter anderem dazu geraten, Familien zu empfehlen, mit Hilfsmittel schon in einem jungen Alter zu beginnen. Die richtigen Hilfsmittel zum richtigen Zeitpunkt unterstützen die Kinder in korrigierter aufrechter Haltung dabei, sich umherzubewegen. So kann das Kind seine Umgebung erkunden, was die soziale und kognitive Entwicklung und die Motorik fördern kann. (Hadders-Algra, 2014).

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Quellen

Campbell, S. K., Kolobe, T. H. A., Osten, E. T., Lenke, M., & Girolami, G. L. (1995). Construct validity of the test of infant motor performance. Physical Therapy, 75(7), 9.

Darrah, J., Piper, M., & Watt, M. J. (1998). Assessment of gross motor skills of at‐risk infants: predictive validity of the Alberta Infant Motor Scale. Developmental Medicine & Child Neurology, 40(7), 485-491. doi:10.1111/j.1469-8749.1998.tb15399.x

Einspieler, C., & Prechtl, H. F. R. (2005). Prechtl's assessment of general movements: A diagnostic tool for the functional assessment of the young nervous system. Mental Retardation & Developmental Disabilities Research Reviews, 11(1), 61-67. doi:10.1002/mrdd.20051

Hadders-Algra, M. (2014). Early diagnosis and early intervention in cerebral palsy. Frontiers in neurology, 5, 185. doi:10.3389/fneur.2014.00185

Herskind, A., Greisen, G., & Nielsen, J. B. (2015). Early identification and intervention in cerebral palsy. Developmental Medicine & Child Neurology, 57(1), 29-36. doi:10.1111/dmcn.12531

Johnston, M. V. (2009). Plasticity in the developing brain: Implications for rehabilitation. Developmental Disabilities Research Reviews, 15(2), 94-101. doi:10.1002/ddrr.64

Kleim, J. A. (2011). Neural plasticity and neurorehabilitation: Teaching the new brain old tricks. Journal of Communication Disorders, 44(5), 521-528. doi:http://dx.doi.org/10.1016/j.jcomdis.2011.04.006

Novak, I., McIntyre, S., Morgan, C., Campbell, L., Dark, L., Morton, N., . . . Goldsmith, S. (2013). A systematic review of interventions for children with cerebral palsy: state of the evidence. Developmental Medicine & Child Neurology, 55(10), 885-910. doi:10.1111/dmcn.12246

Rikke Damkjær Moen - Physiotherapeutin – Medical Manager

Rikke Damkjær Moen - Physiotherapeutin – Medical Manager

Rikke Damkjær Moen bereichert das Made for Movement Team mit vielen Jahren Erfahrung als klinische Physiotherapeutin. Es ist ihre Mission, dafür zu sorgen, dass auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität die Möglichkeit erhalten, Freude und Gesundheit durch körperliche Aktivität zu erfahren. Als Medical Manager gibt Rikke Damkjær Moen ihr Wissen über die Lösungen von Made vor Movement gern weiter, damit Menschen mit besonderen Bedürfnissen, ihre Familien und Behandler die Möglichkeiten kennenlernen.