Dr. Michael Utech, Inhaber des Instituts für Ganzheitliche Bewegungstherapie in Hannover, erzählt im Interview welche Philosophie er vertritt und was sich mit dem Einsatz des Innowalk Pro als Therapiegerät verändert hat. Ein wichtiges Ziel ist Menschen aufzurichten, die dies aus eigener Kraft nicht mehr können. Der Innowalk Pro, ein Ganzkörper-Bewegungstrainer mit zuschaltbarem Motor, ist dabei eine sehr große Unterstützung.

Wir betreuen alle Menschen mit Problemen am Bewegungsapparat 

Im Institut werden alle Menschen betreut, die Probleme mit ihrem Bewegungsapparat haben, wie z. B. eine Blockade im Iliosakralgelenk, Bänderrisse oder Amputationen. Ein besonderer Fokus liegt auf der Betreuung von Menschen mit schweren und mehrfachen Beeinträchtigungen, z. B. bei Infantiler Zerebralparese, Multipler Sklerose, Morbus Parkinson, nach Schädelhirntrauma oder Schlaganfall. Dies hat seinen Grund darin, erklärt Dr. Utech, „dass wir eng mit dem Wohn- und Betreuungsbereich und den Tag-Werken des Annastifts in Hannover zusammenarbeiten. Dort leben bzw. arbeiten Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen.“ Daneben gibt es eine weitere Zusammenarbeit mit dem Berufsbildungswerk des Annastifts, in dem das Institut im dortigen Bewegungsbad eingemietet ist und dieses für Therapiezwecke nutzt. 

Hier finden Sie Informationen zum Wohn- und Betreuungsbereich und den
Tag-Werken des Annastifts.

Sein Konzept lehnt sich an der menschlichen Evolution an, erklärt mir Dr. Utech. „Bis vor ca. 200 Jahren gab es noch keine technischen Kraftverstärker in Form von PKW, Rolltreppen oder Fahrstühlen. Der Mensch musste sich den ganzen Tag selbst viel mehr bewegen als heute, um zum Beispiel Nahrung zu beschaffen. Wenn man sich dies vor Augen hält, dann ist klar, dass sich der menschliche Körper so entwickelt hat, dass er selbst aktiv sein muss oder, falls dies nicht möglich ist, immer wieder aktiviert werden muss. Dies sollte idealerweise nicht nur in fixierenden Geräten, sondern auch durch ein freies Training mit variantenreichen Aufgaben gewährleistet werden,“ erläutert Dr. Utech. „Das Bewegungstraining soll dabei so alltagsorientiert wie möglich und entsprechend dem Grad der Beeinträchtigung des Patienten ausgerichtet sein.“ 

Hier finden Sie Informationen zum Buch von Dr. Michael Utech "Auf dem Weg zu einer ganzheitlich orientierten Bewegungstherapie" und der direkte Link zur Praxis. 

An Alltagssituationen orientierte Therapie 

Die Ausrichtung an Alltagssituationen zeigt sich insbesondere in der Einrichtung der Standorte. Diese gleichen in ihrem Aufbau Turnhallen, die man noch aus dem Sportunterricht kennt. Die vorhandenen Geräte, wie Sprossenwände, kleine Kästen, Weichbodenmatten, von der Decke hängende Taue usw., sind vielfältig einsetzbar und damit auch unendlich kombinierbar. „Mit diesen einzelnen Geräten lässt sich eine ganze Welt an Therapiemöglichkeiten kreieren – ganz individuell für jeden Patienten“, erläutert Dr. Utech.    

„Bei allen Patienten, die nicht selbstständig gehen oder stehen können, setzen wir dann den Innowalk Pro ein. Hier haben wir wunderbare Möglichkeiten, unsere Patienten entsprechend zu betreuen, da es möglich ist, das Training im Innowalk Pro ganz auf die individuellen Fähigkeiten und Leistungsmöglichkeiten einzustellen. Sie können aktiv oder passiv sowie mit mehr oder weniger Gewichtsbelastung trainieren.“ 

Wie lange dauert eine Therapieeinheit?   

„In der Regel dauert ein Training im Innowalk Pro bei uns ca. 25 Minuten. Nach Absprache ist aber auch eine andere Therapiedauer möglich. Entweder lässt sich ein Patient über seinen Arzt eine entsprechende Verordnung ausstellen oder er trägt die Kosten als Selbstzahler. Erfreulich ist am Innowalk Pro, dass nicht nur ein großer Therapieeffekt erzielt wird, sondern dass sich das Gerät bei entsprechender Auslastung auch recht schnell amortisiert. Es darf nicht vergessen werden, dass nur wenn ein Gerät keinen wirtschaftlichen Verlust mit sich bringt, es auch zum Wohle des Patienten angeschafft und eingesetzt werden kann. Dies ist beim Innowalk Pro zweifelsohne der Fall. 

Warum ist das Erstgespräch so wichtig? 

Ein ganz wesentlicher Teil der Therapie im Institut für Ganzheitliche Bewegungstherapie sind die Erstgespräche. Diese übernimmt Dr. Utech bei jedem Patienten selbst und sie sind immer dem Start der eigentlichen Therapie vorgestellt.  

Dr. Utech erzählt uns, dass er sich für diese Gespräche lieber mehr als zu wenig Zeit nimmt. Für ihn ist das Gespräch ein Aufklärungsgespräch in beide Richtungen. Auch er erfährt viel über den Patienten. Beide lernen sich gegenseitig kennen. Außerdem ist ihm wichtig, dass seine Patienten auch die Räumlichkeiten kennenlernen, dort ankommen und sich wohl fühlen. Vorrang hat in diesen Gesprächen immer das, was der Patienten selbst über sich erzählt.   

Da kommen häufig Dinge zur Sprache, die in Befundberichten nicht zu finden sind. Der Patient soll gerne von seinem Leben erzählen: wer er ist, welche gesundheitlichen Beschwerden er hat, wie er sich gerade fühlt, welche Probleme in seinem privaten und beruflichen Alltag bestehen oder welche Wünsche er für die Zukunft hat. Wichtig ist auch der Beruf, denn daraus lassen sich Belastungen für den Körper ableiten. Gleiches gilt für die Hobbys. Außerdem wird nach Möglichkeit die Therapie nach den vorhandenen Fertigkeiten und den Vorlieben der Patienten zusammengestellt. 

Die bewegungstherapeutische Trias  

Dr. Utech beschreibt die drei Bausteine so: 

  1. Es müssen angemessene Bewegungsaufgaben gestellt werden, die kein Verletzungsrisiko darstellen. Die Aufgaben dürfen nicht zu schwer sein, aber auch nicht zu leicht, da sonst kein Trainings- und Therapieeffekt einsetzt.
  2. Vor und während jeder Aufgabe erfolgt eine Aufklärung. Denn nur wer den Sinn und Zweck einer Übung versteht, macht diese gerne und ist motiviert.  
  3. Der dritte wichtige Baustein ist Spaß und Freude an der Therapie, denn nur dann kommen die Patienten gern, arbeiten mit und sind aufnahmefähig für neuen Input. 

    Dies sind in Dr. Utechs Augen Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche und nachhaltige Therapie. 
     

Wie wird der Bewegungstrainer Innowalk Pro in diese Trias integriert?  

„Diese Trias dient als Basis und Maßgabe bei den Behandlungs-Methoden. Wie und wo findet der Bewegungstrainer Innowalk Pro hier Platz?“, frage ich nach. 

„Ich habe vorher die angemessenen Bewegungsaufgaben angesprochen. Mit dem Innowalk Pro haben wir jetzt die Möglichkeit, Patienten in einer Art zu aktivieren, wie es vorher nicht möglich war,“ führt Dr. Utech aus. „Zum Beispiel können wir nun mit einem Patienten mit Tetra-Spastik in der vertikalen Körperposition arbeiten. Vorher haben wir dies an der Gitterleiter oder an der Sprossenwand gemacht. Das ist oft sehr herausfordernd – auch für den Therapeuten. Gerade bei großen und schweren Patienten, die gleichgewichtsunsicher sind und bei denen man auch nur schwer einschätzen kann, ob der nächste Schritt noch richtig gesetzt wird oder ob sie nicht zur Seite kippen. An diesen Patienten muss man sehr eng stehen und sie stützen. Das ist für den Therapeuten anstrengend, sodass er eine solche Arbeit nicht sehr lange durchhalten kann.“ 

Auch ein Ausdauertraining ist möglich  

„Ein Ausdauertraining an der Gitterleiter ist nur schwer durchführbar. Dafür haben wir jetzt den Innowalk Pro. Nicht nur die Patienten, sondern auch die Mitarbeiter sind alle sehr glücklich damit. Es gibt nun mehr Übungsmöglichkeiten. Außerdem sehen die Therapeuten, dass es den Patienten Spaß macht. Das Gerät ist für jene, die schon länger bei uns sind, zur Normalität gewordenDie Patienten trainieren so gerne mit dem Innowalk Pro, dass sie ganz enttäuscht sind, wenn dieser aufgrund von Wartungsarbeiten nicht zur Verfügung steht. Das ist sehr positiv zu werten. 

Männertraining mit Gewichten im Innowalk Pro

Mit dem Ganzkörper-Bewegungstrainer Innowalk Pro können wir angemessene Aufgaben für Patienten stellen, die nicht selbstständig stehen können. Wir können mit ihnen dynamische Bewegungsweisen in der vertikalen Position üben und dabei die ganzen Vorteile nutzen, die die Aufrichtung bietet. Zum Beispiel wirkt das Training im Innowalk Pro vorteilhaft auf das Herz-Kreislaufsystem und die Muskulatur und es kann Verdauungsprobleme vermindern.   

Entsprechend der Rumpfstabilität unserer Patienten, können wir den Bewegungstrainer unterschiedlich einstellen. Bei sehr labilen Patienten werden die Pelotten und Gurte enger gestellt und für Patienten, die stabiler sind, können wir die Einstellungen etwas weiten. So ist auch eine gute Rumpfkräftigung möglich. 

Außerdem lassen sich die Griffe abmontieren, sodass die Hände frei sind, um z. B. zusätzlich mit Bällen zu arbeiten. Einen Ball hin und her werfen, den Körperschwerpunkt dabei auslenken und das alles zusammen mit der Bewegung der Beine, das bekommt man ohne den Innowalk Pro so sicher nicht hin“, erläutert uns Dr. Utech die vielen Einsatzmöglichkeiten des Ganzkörper-Bewegungstrainers. 



Innowalk Pro-Training als Vorbereitung für andere Therapien 

Mit dem Innowalk Pro besteht, wie bereits erwähnt, auch die Möglichkeit ein Herz-Kreislauf-Training durchzuführen, so dass sowohl die Ausdauer als auch die Kraft in Rumpf und Beinen verbessert werden. 

Somit ist dies ein gutes Vorbereitungstraining für die zukünftige Therapie im Gangtrainer unter Teilgewichtsentlastung mithilfe einer unter der Decke angebrachten Fallschirmhose oder an der Sprossenwand und damit mit einer freieren Bewegung für den Patienten. 

Welche Erleichterungen bietet der Innowalk Pro für die Therapeuten?   

„Am Anfang war das Gerät schon sehr komplex für die Mitarbeiter, doch inzwischen geht es sehr gut“, erklärt uns Dr. Utech, „zumal von den Mitarbeitern erkannt wurde, dass das Gerät sehr entlastend für sie ist. Dies ist ein riesiger Vorteil. Im Innowalk Pro steht der Patienten sicher, so dass sich der Therapeut etwas entfernen und einen besseren Überblick für Haltungskorrekturen erhalten kann. Im freien Training an der Gitterleiter ist dies nicht möglich, da der Therapeut mit einer Hand den Patienten festhalten oder dicht hinter ihm stehen muss. 

Der Innowalk Pro eignet sich daher auch sehr gut zur Haltungsschulung ohne Bewegung. Der Patient kann einfach frei stehen. Ideal, um ein gutes Körpergefühl zu entwickeln. Eine weitere Möglichkeit ist das Cross-Gehen mit und ohne Griffe.   

Auch die Rüstzeiten sind inzwischen sehr kurz und den Mitarbeitern geht alles schnell von der Hand.“  

Wo liegt der Mehrwert des Innowalk Pro aus der Sicht der Therapeuten?  

Die Therapeuten können sich auf andere Aufgaben konzentrieren, wie z. B. Haltungskorrekturen oder auf andere Weise mit den Patienten arbeiten. Außerdem werden sie deutlich von körperlich schweren Aufgaben entlastet.  

Bedeutet: Die Praxis wird auch attraktiver für neue Mitarbeiter? 

„Ja, unbedingt. Junge Therapeuten, die sich für die Arbeit mit Menschen mit schweren Behinderungen interessieren, sind gut über Innovationen informiert und schätzen die Arbeit mit einem so modernen Gerät wie dem Innowalk Pro", bestätigt Dr. Utech. "Gerade frisch ausgebildete Therapeuten finden innovative Hilfsmittel attraktiv. Es macht ihnen richtig Spaß, mit diesem modernen Therapiegerät zu arbeiten. Das macht auch mir Freude,“ schwärmt Dr. Utech. 

„Auch ich, der ja gerne ‚einfache‘ Geräte einsetzt, sehe es als sehr sinnvoll an, bei bestimmten physischen Anforderungen des Patienten, Hightech-Geräte und Hilfsmittel zu nutzen, die technisch auf dem neuesten Stand sind. Sonst hätte ich den Innowalk Pro auch nicht in mein Institut aufgenommen.“ 

Patienten zum Stehen zubringen und gleichzeitig zu bewegen, erfüllt alle meine Wünsche. 

 

Mein Ziel war von Anfang an die Aufrichtung solcher Patienten, die hauptsächlich im Rollstuhl sitzen 

„Es war mir sofort klar, dass der Innowalk Pro genau das liefert, was mein Ziel ist: Die Aufrichtung der Patienten, die es selbst nicht können. Ich habe es bereits am Anfang gesagt: Es geht auch um den Gedanken der Evolution und dass der Körper eigentlich auf Bewegung ausgerichtet ist und welche Probleme daraus entstehen, wenn dies nicht möglich ist. Wir betreuen sehr viele Patienten die permanent auf ihren Rollstuhl angewiesen sind und über Rückenschmerzen, Kontrakturen im Hüftgelenksbereich oder Verdauungsprobleme klagen. Wenn ich diese Patienten zum Stehen bringe und sie sich dann auch noch bewegen, erfüllt dies alle meine Wünsche. Die Patienten fühlen sich leistungsfähiger und haben verbesserte Möglichkeiten zur Teilhabe am sozialen Leben. Die Therapie und ihre körperbezogenen Hintergründe sind schlussendlich der Weg zum eigentlichen Ziel einer jeden therapeutischen Maßnahme: Die Verbesserung des Wohlbefindens, das von den körperlichen Fähigkeiten, dem Selbstbild und dem sozialen Miteinander geprägt wird. 

Als weiteres Mosaiksteinchen in der Therapie sehe ich noch unseren für die Zukunft geplanten und zum Patent angemeldeten Gangtrainer, der dann noch mehr Gleichgewichtstraining und räumliche Fortbewegung bietet. Dann greift alles wunderbar ineinander.  

Das Besondere am Innowalk Pro ist auch, dass die Patienten mit anderen Menschen auf Augenhöhe kommen. Sie sind sogar noch etwas erhöht und schauen von oben nach unten – sie haben den Überblick – und schauen nicht wie sonst sitzend von unten nach oben. Das ist eine neue, tolle Perspektive, das ist nicht zu unterschätzen. Aufrecht stehend sind die Personen gleich aktiver.“ 

Wie macht sich die Investition Innowalk Pro für das Institut bezahlt?  

Für Dr. Utech bringt der Innowalk Pro Mehrwert in zweierlei Hinsicht. Zum einen monetär über eine ärztliche Verordnung oder auch über Selbstzahler sowie über Patienten, die durch die enge Zusammenarbeit mit den Berufsgenossenschaften zu ihm kommen. Hier hat er die Möglichkeit einen Kostensatz anzusetzen, der dem hohen Nutzwert des Gerätes besser entspricht.   

Zum anderen gibt es noch den immateriellen Mehrwert. Letztendlich ist es für ihn und das Institut ein Statement: „Wofür stehen wir? Für welche Patienten sind wir da? Wir haben den Ruf als Kompetenzzentrum für Menschen mit schweren Beeinträchtigungen und als inklusive Rehabilitationseinrichtung“, schließt Dr. Utech unser Interview ab. 

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Jens Kleine - Physiotherapeut - Product Specialist

Jens Kleine - Physiotherapeut - Product Specialist

Jens Kleine ist Physiotherapeut und verfügt über langjährige Vertriebserfahrung in verschiedenen europäischen Märkten für orthopädische Hilfsmittel. Besonders wichtig sind ihm die Bedürfnisse der Benutzer, und er setzt sich mit großem Engagement dafür ein, innovative Lösungen zu finden. Als Product Manager bei Made for Movement arbeitet Jens Büdenbender eng mit externen medizinischen Fachkräften, dem Vertriebsteam und unserem Team für Forschung und Entwicklung zusammen - immer auf der Suche nach Lösungen, die den Menschen Bewegung ermöglichen, die sie am meisten brauchen.